Nach der Buchvorstellung ging es wieder hinunter in den Empfangssaal, wo die Tänzer und Gaukler auf ihr Publikum warteten. Sigrun beschloss, nochmals nach oben zu gehen und den Rest des Stockwerks zu erkunden. Sie suchte einen Weg Phelizitas vor den horrenden Ausgaben für einen Bund bedruckten Papiers zu schützen. Die Thorwalerin ging die Balustrade entlang, welche die Räume des Obergeschosses mit einander verband. Man hatte einen schönen Ausblick auf Zorgan und die Pflanzen, welche entlang der Mauern wuchsen. Eine Tür führte in das Lager. [Sinnesschärfe +] Gerade rechtzeitig bemerkte sie die Angestellte, welche zuvor den Bauchtisch getragen hatte. Sie öffnete der Reihe nach die Briefchen, ging in die Regalreihen und versah die Bücher mit kleinen Notizen. Ein Werk der Geografica wurde in Pergament eingeschlagen und auf den Tresen gelegt. Sigrun wartete geduldig. [Probe auf Verbergen, Körperbeherrschung und Verbergen] Es gelang ihr unbemerkt bis zum Tresen zu schleichen, sich das Buch zu schnappen und sich eiligst auf den Rückweg zu machen. Auf der Balustrade suchte sie sich einen polsternden Bewuchs im Außenbereich und warf die Geografica und ihr gestohlenes Beduinenbuch durch die Bogenöffnung in einen Busch. Gerade rechtzeitig wie sich zeigte, denn die Schreiberin stürmte aus dem Raum und beschuldigte die Thorwalerin des Diebstahls. Diese wies die Anschuldigung zurück und behauptete, dass der Dieb an ihr vorbei gerannt sei und durch den Mauerbogen gesprungen sei. An den Ärmeln zog die resolute Schreiberin Sigrun die Treppe hinunter in Richtung des Gardisten. Dort erzählte sie von dem gerade passierten Diebstahl. Sigrun hätte den Dieb fliehen sehen und könne eine Beschreibung abgeben. Fragend blickte der Soldat die Thorwalerin an, welche ihm eine Allerweltsbeschreibung eines mittelgroßen Mann mit Kaftan und Turban abgab. Und einen Zopf hätte er auch noch gehabt. [Überreden/Lügen gescheitert] Der Gardist war nicht überzeugt. Sigrun war unmittelbar nach der Tat festgestellt worden. Auch das Fehlen des Diebesgutes überzeugte den Ermittler nicht. Auf die Feststellung, dass Sigrun wohl nicht von hier sei, antwortete die Nordfrau woher er das wohl bemerkt habe. Der Gardist erwiderte auf die schnippische Antwort, dass das wohl an den Bröseln im Mundwinkel liegen könnte. Phelizitas mischte sich in das Gespräch ein. Der Fakt, dass die Thorwalerin gar nicht lesen könne, machte einen Diebstahl schon unwahrscheinlich. Und die Flucht hätte sie auch nicht ergriffen. [Überreden gelungen] Das schien dem Soldaten einsichtig. Der Haushofmeister Aytan ay Narhuabad bemerkte, dass die Thorwalerin wieder negativ aufgefallen war. Während das Gespräch lief, ging er in die Küche, holte ein leeres Tablett, ging zum Buffet, wo er, ohne auf seine Kleidung zu achten, mit den Armen Essen auf das Tablett schob. Mit dem vollen Tablett, welches einen halben Schritt Durchmesser hatte, kehrte er zu der Gruppe zurück und drückte Sigrun den Essensberg in die Hände mit der Bemerkung, dass sie ihre Wegzehrung nun erhalten habe und sich auf den Rückweg in ihre barbarischen Gefilde machen könne. Er ließ Sigrun keine Zeit für eine Erwiderung. Das nächste Mal könne sie ja rechtzeitig Bescheid geben, damit er eine Tafel mit einem Essensberg vor dem Institut aufbauen könne, in welchen sich Sigrun wie ein Schwein wälzen könne. Mit hochrotem Kopf ließ er die Gruppe stehen und ging zügig in den Garten.
Der Gardist war nun damit beschäftigt die Personalien und die Wohnung der Helden in Erfahrung zu bringen. Der Institutsleiter machte klar, dass er wegen zweier Bücher keinen großen Aufwand wünsche, schon gar nicht als Abschluss des gelungenen Abends. Seine Beteuerungen wurde vom zurückeilenden Haushofmeister unterbrochen, welcher schwer atmend aus dem Garten gerannt kam. Na ja rennen konnte man es eigentlich nicht nennen, mehr so einen hopsenden Galopp zwischen schnellem Laufen und Stolpern. Prustend schob er Imion mit einem kurzen „keine Zeit“ auf die Seite und meldete seinen Fund dem Gardisten. Jedes Wort unterbrochen mit einer Pause zum Luftholen: tote – Frau – Mauer – Garten – schnell – Mörder. Warum starben die Leute immer auffallend schnell in der Nähe der Helden. Gab es da einen Zusammenhang? Keine Zeit für Philosophie. An den Tatort. Der Haushofmeister hatte wahr gesprochen. Die Frau war tot.
[Heilkunde Wunden] Selhira schaute sich den Leichnam an. Der Frau war mit einem Stein der Schädel eingeschlagen worden. Die Blaufärbung von Hals und Zuge, sowie die geplatzten Augenäderchen, zeigten einen Würgeangriff. Die Kratzer an den Unterarmen waren Kampfspuren.
[Heilkunde Gift] Pheliziatas bemerkte einen pockenartigen Ausschlag im ansonsten makellosen Gesicht. [Sinnesschärfe +] Die Würgemale waren unübersehbar. Die Autorin hatte nur wenig Habseligkeiten dabei. In ihrer Tasche fand man etwas Lippenrot, ein neues Notizbuch mit Kohlestift und eine handvoll Silberstücke. Dann machte sich Sigrun ans Werk. [Fährtensuchen +] Auf dem Boden, unter der Leiche fand sie einen abgebrochenen Fingernagel. Die Fußspuren hier deuteten auf einen Kampf zweier Personen hin. Eine Spur passt zur Schreiberin. Die andere führt in Richtung Flamingosee. Von der Form her Schnabelschuhe. Auf der Hose der Toten konnte sie einen Schuhabdruck aus Druckerschwärze feststellen. Außerdem glänzten im Fackellicht seltsame Spritzer im Gras. Irgendeine Salbe oder eine Fettpaste. Erstaunt lauschten die Anwesenden mit offenen Mündern Sigruns Vortrag. Sherlock Sigrun verstand das Verhalten nun nicht. War doch offensichtlich, habt ihr das nicht gesehen? Die Fußspuren am See zeigten an, dass hier jemand hastig Reinigungsarbeiten durchgeführt hatte. Wahrscheinlich um sich das Blut abzuwaschen.
Man ging zurück zur Festgesellschaft und ließ die Situation mal auf sich wirken. Beim Durchwandern der Menge bekam man ein paar Gesprächsfetzen mit. [Proben auf Sinnesschärfe] Imion fiel auf, das sein früherer Gesprächspartner Veränderungen aufwies. Der arrogante Barde hatte keinen Gesichtsschleier mehr. Seine Füße waren nackt. Und ja, er hatte auch einen fehlenden Fingernagel am Zeigefinger der rechten Hand. Seine Tasche mit den Notenblättern hatte er auch nicht dabei. Nachdem er seine Feststellungen der Gruppe mitgeteilt hatte, machte man sich auf die Suche nach der Tasche. Man fand sie unter dem Buffettisch an die Wand gelehnt. Darin befanden sich auch Paar durchnässte Schuhe mit Druckerschwärze. Und ein kleines Tiegelchen mit einer Salbe. Der Barde wurde umstellt und vernommen [Einschüchtern +] Er gestand den Kampf ein und nannte als Grund die Schönheitssalbe. Sie verlieh außergewöhnlich feine Haut, hatte aber den Nachteil, dass sie süchtig mache. Wenn man sie nicht rechtzeitig auftrug bildeten sich unschöne Bläschen. Er selbst hatte erfolglos versucht Nachschub zu besorgen. Als er die Autorin ihre Salbe aufgetragen habe, hätte das Verlangen gesiegt. [Rechtskunde gelungen] In Aranien ist Suchtverhalten kein strafrechtlicher Entschuldigungsgrund.
Phelizitas untersuchte die Salbe genauer. [Heilkunde Gift gelungen] Unverwechselbar Kokosfett, vermischt mit Arangen- und Limettenessenz, metallischer Geruch von Quecksilber, Telfiskraut, auch bekannt als Stechapfel und irgendwas alkalisch Stinkendes, das Sekret eines amphibischen Wesens, unbekannt, ob von der Haut oder aus dem Maul. Gesund war das nicht. Thorn zog es nochmals an den Tatort zurück. Dort hatte die Gartenmauer diverse halbkreisförmige Ausbuchtungen. In den Buchten wuchsen verschiedene Pflanzen. In einer Ausbuchtung in der Nähe des Tatortes wuchs eine Pflanze über die Höhe der Mauerkrone. Diese Pflanzenart gab es nur ein einziges Mal. Fachmännisch untersuchte der das Steinwerk der Mauer [Zwergennase]. Er fand einen losen Stein. Als er ihn herauszog, kam ein schlanker Holzkasten zum Vorschein, der die Länge der Mauerbreite hatte. Die Stirnseiten waren mit einer dünnen Steinplatte aus dem gleichen Material wie die Mauer versehen. Ohne zu suchen, fiel einem der Unterschied nicht auf. Man konnte also diese länglich, schmale Schublade in der Mauer verschieben. Legte man Geld hinein, kam die bestellte Ware zurück. Beide Beteiligten konnten sich nicht sehen, so konnte niemand Verrat begehen.
Die nächste Sitzung findet am 09.06.2026 statt.