Man bewegte sich also durch den engen Gang, welchen die Auslagen den Besuchern ließ. An einem Stand für Töpferwaren ließ sich eine Gestalt in mittelreichischer Reisekleidung die Eigenschaften einer handgedengelten Öllampe erklären. [Sinnesschärfe-Probe]. Der Gang wurde durch zwei Jugendliche überwacht, die sich so postiert hatten, dass sie ihrer Gefährtin ermöglichten einen Beutelschnitt mit ihrer Fingerklinge durchzuführen. Gleichzeitig hatte man beide Fluchtrichtungen im Auge und unter Kontrolle. Nach einem geschickten Schnitt fiel der Diebin die Börse des Mittelreichers in die Hände, sie wandte sich zum Gehen und rempelte zufällig einer der Gehilfen an. Imions scharfe Augen sahen die Börse den Besitzer wechseln und so konnte die Diebin nun ganz entspannt alles ableugnen. Die beiden Jungen verließen in entgegengesetzter Richtung den Tatort, während die Diebin auf die Helden zulief. Als sie den Zwerg sah, der seine Börse zur Sicherheit unter sein Wams schob, machte sie einen großen Bogen um die Gruppe.
Die Szene endete damit, dass der Mittelreicher beim Bezahlen feststellte, dass die Börse fehlte und nun lautstark nach der Wache rief. Zwei Wächter erschienen kurz darauf, aber was sollten sie machen. Der Fremde hatte keine Personenbeschreibung und so blieb ihnen nur ihr Bedauern auszudrücken. Die Gruppe bewegte sich am Lampenstand vorbei und kam zu der Kreuzung, welche in Richtung Ordenshaus führte.
Das altehrwürdige Haus hatte Jahrhunderte auf dem Buckel. Seine Ornamentik stammte noch aus den Magierkriegen. Die Helden sahen den Eingang zu einem Kosmetikladen. Rechts davon fand man eine kleine unscheinbare Türe mit dem Zeichen der ODL (Ordo Defensores Lecturia). Auf Klopfen meldete sich niemand und man konnte die Niederlassung betreten. Von dem Gang hinter der Tür ging noch eine weitere ab, welche in Richtung des Kosmetikladens führte, was die daher gewehten Düfte anzeigten. Man stieg die knarzende und quiekende Treppe empor und wurde von einem Magierquartett erwartet. Die drei Herren und die Dame stellten sich der Reihe nach vor und begrüßten die Besucher. Das Schreiben von Faredon beseitigte jedes Misstrauen. Man nahm einen Tee mit Gebäck im Salon und konnte seine Wünsche vorbringen. Bereits bei den ersten Gesprächen kam der Verdacht auf, wer der Zuträger für die Familie Hasrabal sein könnte. Die Magierin, welche für die Sicherheit verantwortlich war, hatte eine etwas fragwürdige Position. Plätze für fünf Gardisten waren zwar vorhanden, allerdings war das Zimmer unbewohnt. Man verließ sich vollständig auf die Sicherheit durch den Sultan. Auch der junge Archivar geriet in den Focus der Helden.
Der Verwalter der Bibliothek führte die Helden in das sehr kleine Zimmer. Vor der Tür des Archives stand eine größere Vase mit Deckel. [Sinnesschärfeprobe] Als der Magier die Tür zum Archiv aufschloss klopfte er dreimal gegen den Deckel der Vase. Er versuchte dies versteckt zu tun. Anders als in der großen Akademie war die hiesige Büchersammlung älteren Datums. Sehr alten Datums. Aber das war nicht von Nachteil, neue Bücher störten eher die Forschungen, als dass sie halfen. Man wollte ja tief in die Vergangenheit Rashduls eintauchen. Jedenfalls fand man heraus, dass Esmalda lange in der Stadt gelebt und einige Schüler gehabt hatte. Nach ihrem Tod wurde sie in den Felsgräbern der Stadt beerdigt, welche sich in den Steilklippen um die Stadt herum befanden. Besitztümer hatte die Frau nicht hinterlassen, oder waren bislang noch nicht entdeckt worden. Man fand eine alte Biografie Esmaldas, welche ein Schlusswort von Rashid al´ashtranim ibn Esmalda enthielt. Ihr Sohn? Rashid beklagte, dass man dem Wunsch Esmaldas unter dem Ordenshaus begraben zu werden, nicht gefolgt war. Die Borontempel hätten darauf bestanden, die Frau wie gewohnt in den Felsengräbern beizusetzen. Dem Einwirken von Rashid war es zu verdanken, dass ihr ein Grab „nahe am Fluss und zugleich unter den Sternen“ geschenkt wurde. Außerdem wurde ihr Erbe mit ins Grab gegeben. Der Archivar war beim Hervorholen und Aufräumen äußerst behilflich. Als die Helden dann bemerkten, wie er immer einen kleinen roten Faden in die gelesenen Seiten legte, war klar, dass er gedachte die Forschungen zu wiederholen. Deshalb blätterte Phelizitas bewusst über die Hinweise von Rashid hinweg und übergab ihm eine falsche geöffnete Seite als Ablageort für sein Buchzeichen.
Irgendwann waren die Forschungen beendet und die Gruppe wurde noch zum Abendessen eingeladen. Es gab Reis und ein Fleischcurry. Scharf und fremdartig gewürzt, aber gut. Im Tischgespräch kam man auf die die Erlebnisse am Mogulengrab zu sprechen. Außerdem erwähnte man die Steingräber außerhalb der Stadt. Jedes Grab beinhaltete den Zugang zu etwa 200 Grabnischen. Waren diese alle belegt, wurde den Hauptzugang zugemauert. Die Helden hatten doch nicht vor, ihre archäologische Forschung auf das Grabinnere auszudehnen? Also ohne Erlaubnis des Sultans und der Borontempel konnte es leicht geschehen, dass man als Grabräuber missverstanden und sofort hingerichtet werden würde. Das wäre ein äußerst unerwünschter Effekt auf die Forschungsergebnisse. Die Gruppe konnte versichern, dass man keinerlei Absichten in dieser Richtung hegen würde, zumal der Borongeweihte mit Sicherheit Einspruch einlegen würde. Der Archivar quittierte diese Äußerung mit einem einfachen „ach ist seid zu fünft!“ Im Anschluss an das Abendessen verlegten die Helden durch den nun weniger besuchten Basar zur Karawanserei.
Das nächste Treffen findet am 13.10.2026 statt.