Nach dem Frühstück war der Hesinde-Tempel der erste Anlaufpunkt. Gegen eine Spende ließen die Geweihten die Helden unter Aufsicht in den Archiven forschen. Esmaldas Grab lag außerhalb der Stadt. Man konnte Einträge zu dem Konflikt über den Begräbnisort finden. Die grauen Stäbe hatten dem Druck der beiden Boron-Tempel nachgegeben und auf eine Beisetzung unter dem Ordenshaus verzichtet. Als Begründung wurde angegeben, dass man die Sicherheit des Leichnams nicht gewährleisten könne. Das Grab befand sich in einer Nekropole im Norden der Stadt, in der Nähe des Flusses und wo das Licht der Stadt dem des Himmelszelts keine Konkurrenz machte. Rashdul war auf einem verzweigten Kanalsystem aufgebaut. Es war unmöglich zu sagen, ob sich nicht Grabräuber zum Keller des Ordenshauses Zutritt verschaffen konnten. Zu der damaligen Zeit war auch im Gespräch gewesen die Kanäle auszudehnen und die Borontempel hatten die Befürchtung, dass sich die Grabungen den Felsengräbern zu sehr nähern würden. Ob der damalige Magistrat diesen Hinweisen gefolgt war, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden.
Selhira schlug dann vor, dem zweiten Borontempel mit dem Ritus Al`Anfas einen Besuch abzustatten. Der dortige Geweihte führte die Helden hinab in die Tiefen unter dem Tempel. Die Staubschicht auf dem Boden nahm immer weiter zu. Schließlich steckte der Begleiter einen mächtigen Schlüssel in das Schloss einer alten Türe. Mit quietschenden Angeln und schabendem Kratzen zog einer mit einigem Kraftaufwand die verzogene Tür aus der Zarge. In dem Raum befanden sich lange Reihen von Folianten. Erst mit der Nennung des Todesjahres kam man hier weiter. Man arbeitete sich durch die Seiten und fand den gesuchten Eintrag. Ein Grab für ca. 200 Tote. Esmalda hatte ein Einzelgrab erhalten, das mit einem schweren Tor verschlossen worden war. Den Eintragungen ließ sich entnehmen, dass auch Schmiede und Feinmechaniker an den Arbeiten zum Tor beteiligt gewesen waren, ohne die Arbeiten näher anzuführen. Die Nekropole war ein halbes Jahr später geschlossen worden, nachdem jede Grabnische gefüllt war. Die Hinterbliebenen notierten dann die Namen der Verstorbenen auf der Felswand am Nekropoleneingang. Zum Standort gab es keine weiteren Hinweise. Man ging wieder und der Geweihte verschloss die Türe, nachdem er den Schlüssel erst in Lampenöl getaucht hatte. Thorn bot noch an, das Schloss zu warten, aber der Geweihte lehnte dankend ab. Es hatte 50 Götterläufe gedauert bis sich irgendein Mensch für das Archiv interessiert hatte. Und bis zum nächsten Mal sei er wohl schon in Borons Hallen eingegangen.
Den Nachmittag verbrachte die Gruppe mit der Suche nach der Grabstätte. [Sammelprobe auf Orientierung] Der Weg führte am Flussufer entlang, zunächst war noch ein Trampelpfad der Flussfischer vorhanden, aber der verwilderte immer mehr. Schließlich schlug man sich durch Dickicht. Und fand ein Seitental. Den Boden zierten noch die Reste von vereinzelten Trittplatten. Nach einiger Zeit kam man an einer Felswand an. Die herausgemeißelten Torsäulen zeigten den Eingang. Thorn untersuchte fachmännisch den Stein und fand heraus, dass sich hinter den Ziegeln, welche den Eingang verschlossen, noch eine massive Steinplatte befand. Hier kam man nur mit einem erheblichen Aufwand hinein, und das blieb mit Sicherheit der Stadtwache nicht verborgen. Entlang der Felswand fand man Gravuren in der Wand und Marmorplatten, welche mit Eisenstiften in der Wand befestigt waren. Teilweise hatte das Eisen den Kampf gegen Satinavs Hörner verloren und die schweren Steinplatten war auf dem Boden aufgeschlagen. Ein Teil der Wand war mit Metallplatten verkleidet worden. Die Oberfläche war schwarz oxydiert. Aber im Streiflicht ließen sich Gravuren erkennen. Der Handwerker hatte das Metall mit einem Meißel bearbeitet. Nachdem Schmutz und Staub entfernt worden waren, konnte man die Kerben eindeutig erkennen. Selhira holte Kreide aus ihrer Tasche und malte damit über die Oberfläche. Die abgeschabte Kreide füllte die Vertiefungen und machten die Schrift sichtbar. Ein Viereck, gefüllt mit einem vierstrahligen Stern, dessen Spitzen die geraden Seiten des Vierecks durchstachen. Darunter die Worte: „Esmalda al`Mudra, 12 HES 545 BF – 2 RAH 638 BF, Ehrwürdige Meisterschülerin der Niobara, Begründerin Keshal Cumrats, deren Erbe sich an ihrem 400sten Todestag offenbaren soll“ Welches Jahr haben wir gerade? 1038 BF, warum? Helden kommen nie zu spät, sondern immer genau dann, wenn sie gebraucht werden. Aber bis zum Rahja war es noch etwas hin. Vielleicht konnte Faredon aus Anchopal weiterhelfen. Der Ordensmeister hatte den Hinweis auf Rashdul in der Tasche auf einem zentralen Stein im verschütteten Keller von Niobaras Turm gefunden. Der Magier hatte ja um einen Bericht gebeten, für den Fall, dass die Helden in Rashdul irgendwas finden sollten.
Das nächste Treffen findet am 20.10.2026 statt.