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  • Fell und Zähne gingen als Trophäe mit. Dann traf die Gruppe am späten Nachmittag im Dorf ein. Der Anblick des Elefanten brachte Freude in die Reihen der Dorfbewohner. Man lenkte das Tier in den Innenbereich des Gutshofes. Dort ging es mit den Vorbereitungen des Trauerzuges sofort los. Die Flanken des Tieres wurden mit borongefälligen Symbolen verziert. Die Köchin hatte ihr Rezept für das traditionelle Hühnerpfeffer verlegt. Die Speise gab die Familie der toten Tochter mit auf den Weg in Borons Hallen. Nicht dass die Arme noch den Hungertod starb, was eine wahre Tragödie gewesen wäre. Die Gutsherrin hatte ihren Unmut an einem alten Diener ausgelassen, welcher mit gesenktem Kopf auf der Treppe saß. Besagter Diener geriet erneut in den Fokus der Heldenschaft, als die Ermittlungen in Sachen Säbelgriff von den Wachen zu dem alten Diener führten, welcher selbst einmal Soldat gewesen war. Der war aufgrund der vorhergehenden Schelte seiner Herrin zu keinem klaren Gedanken mehr in der Lage. [Heilkunde Seele gescheitert] Auch Selhira konnte ihn nicht aus seinen trüben Gedanken befreien. Da mussten ein paar deutliche Worte her. [Einschüchtern] Sigrun drohte ihm Prügel an, wenn er jetzt nicht gleich in die Gänge kommen würde. Der alte Herr drängte sich in eine Ecke zurück, gab aber an, dass sich sein Säbel mit der alten Uniform in seiner Feldkiste befinden würde. Das Griffstück ließ sich nicht mit einem Bewohner des Dorfes in Verbindung bringen.


    Wie Imion treffend zum Tagesabschluss beitrug, sollte man sich nach der Beisetzung dann morgen um die Herkunft der Chimäre kümmern.


    Das nächste Treffen findet am 07.04.2026 statt.

  • 273. Spieltag (07.04.2026)


    Die Helden begaben sich zur Nachtruhe und teilten zwei Wachen ein. Diese Vorsichtsmaßnahme erwies sich jedoch im Nachhinein als unnötig. Bereits beim beginnenden Tageslicht wurde der Trauerzug geformt. Vorneweg der bemalte Elefant, gefolgt von der Sänfte mit der Verstorbenen. Der Trauerzug wurde durch die quäkenden Tone einer Kabasflöte begleitet, alle paar Schritte erfolgte der blecherne Klang eines Marschbeckens. Die Sänfte wurde von den beiden Wachleuten getragen. Der Perainegeweihte und ehemalige Liebhaber folgte mit dem Rest der Familie und des Gesindes. Der Zug ging auf einem freigehaltenen Weg durch den Nebelwald in Richtung Nekropole.


    Die Bestattungsgruppe war schon eine Stunde unterwegs, als man auf eine Wegsperre traf. Zehn Bewaffnete und ein Anführer hielten den Zug auf. Der Sprecher befürchtete, dass der Elefant des Zuges dem Anach-Nur übergeben werden würde. Im weiteren Gespräch kam heraus, dass der Ferkinaführer, welchem der Säbel fehlte, den Mahut des Dorfes getötet hatte, um zu verhindern, dass der Geisterbeschwörer neue Körper bekam. Leider sei der Elefantenführer uneinsichtig gewesen. Die Ferkinas gehörten zum Stamm der Ban Awallakh. Der Stamm mit dem Anach-Nur gehörte zu seinen Feinden. [Menschenkenntnis +: Der Anführer schien gehörigen Respekt vor seinen Gegnern zu besitzen] Als man eine Beschreibung des Gegners erbat, kam heraus, dass er aus zwei Wesen ein Neues machen könne. Er sei auf dem Friedhof und dort gäbe es genügend Körper. [Überzeugen +] Die Ban Awallak konnten zwei Führer stellen, die auf der Seite der Helden mitkämpfen würden. Damit hatte man jetzt zwei Ortskundige zur Hand. Der Gegner hätte auch zwei Hände voll Kämpfer, meinte der Anführer.


    Der Trauerzug wurde geparkt. Beide Wachen der Gutsherrin, Bortholomäus, die beiden Ferkinas und die Helden rückten auf das Feindlager vor. Der dichte Nebel verschluckte die Gruppe. Als man sich dem Lager näherte konnte man die ersten Umrisse erkennen. Ein alter Elefantenfriedhof. Das klägliche Trompeten ließ auf einen gerade noch lebenden Dickhäuter schließen. Eine seltsame menschliche Gestalt war dabei die Flanken des Tieres mit einer zähen roten Flüssigkeit zu beschmieren. Außerdem konnte man noch ein paar Wachen durch den Nebel gehen sehen. Erst als sich eine seltsame wurmartige Gestalt vier Schritt über den Bodennebel erhob, war den Helden klar, dass man es hier nicht mit ein paar wilden Plünderern zu tun hatte. Phelizitas konnte mit ihrem Wissen über Sphärenwesen erkennen, dass es sich hier um einen dreigehörten Dämon aus dem Gefolge Asfaloths zu tun hatte: einem Ugrabaan. Der riesige Dämon konnte ein menschengroßes Wesen mit einem Happs wegfressen. Zusammen mit der Fähigkeit zwei Wesen zu verschmelzen, hätte der inhalierte Held eine gute Chance auf die Wiederauferstehung als Elefantenchimäre gehabt.


    Der Nebel war ein gutes Versteck. [Verbergenprobe für den Meuchelangriff überflüssig]. Drei Fernkämpfer machten sich bereit: Thorn, Sigrun und Imion. Gut gezielt ist halb getroffen. Trotz der unscharfen Umrisse der Gestalten [-2 AT] trafen alle drei Waffen. Der Shamane und zwei Wächter fielen um. Wobei der Geisterzauberer nur bewusstlos war [Rest-LE: 4]. Dann stürmte der Rest der Gruppe in den Nahkampf. Die Helfer beschäftigten die feindlichen Ferkinas und so blieb für die Helden nur der Dämon übrig. Sonea stürmte vor und stellte sich mit ihrem geweihten Hammer dem Sphärenwesen in den Weg. Dem ersten Biss wurde meisterlich [Wurf 1] ausgewichen und die Tentakel des Wesens schlugen vorbei. Phelizitas zauberte einen Flammenstrahl [INGIFAXIUS]. Der leuchtende Strahl fraß sich durch den Nebel. Aufgrund seiner schieren Größe, konnte der Dämon nicht ausweichen. Die profanen Fernwaffen verursachten nur geringen Schaden. Selhira ging auf den Dämon zu und begann sich der Lederrüstung zu entledigen. Gegen ein Verschlucken wäre sie nur suboptimal nützlich gewesen. [allerdings kostete sie diese Handlung zwei volle Kampfrunden]. Der Angriff der Ingerimm-Geweihten traf kritisch [war dann ihre zweite EINS]. Auch dem zweiten Bissangriff wurde ausgewichen.


    [das war dann die dritte EINS auf dem W20 in Folge – unglaublich. Dies führte dazu, dass der Dämon für eine Runde keine Manöver mehr fahren konnte. Damit entfiel der Verschlingenangriff für das Maul und der Festhalteangriff der Tentakel.]


    Der Tentakel ging fehl. In der dritten und letzten Runde trat Selhira mit einem Dämonenwall in Nahkampf ein. Der Wall verhinderte einen Treffer und absorbierte allen Dämonenschaden [bis zu einer ausgewürfelten Menge]. Damit war man eine weitere Runde sicher. Geweihter Hammer und ein weiterer Flammenstrahl ließen den Sphärenweltler dann in einer schwarzen Nebelwolke vergehen. Welche sich schnell mit dem anwesenden Kondensat vermischte.


    Zwischenzeitlich waren auch die restlichen Feinde besiegt worden. Sigrun trat an den (noch) lebenden, aber regungslosen, Zauberkundigen heran. Bei der Durchsuchung fiel ihr zuerst das zahnbewehrte Maul in dessen Achselhöhle auf. [Dämonenmal] Dann geriet dieser seltsame schwere Dolch in die Hände der Nordfrau. Selhira und Sonea erkannten sofort seine abstoßende Macht, was jetzt die Thorwalerin nicht sofort nachvollziehen konnte. Der Chablak-Dolch sei die Zauberwaffe eines Animisten, erklärte Phelizitas. Mit bösem Zauberzeug wollte sich die Späherin nun nicht belasten. Dann beendete sie mit einem schnellen Schnitt ihres Säbels das Leben des Animisten. Seine Börse enthielt nur ein paar Heller. Genug für ein Feierabendbier für jeden Kämpfer.


    Nachdem nun die Chimärengefahr gebannt war, konnte die Bestattung wie geplant fortgeführt werden. Man erreichte das Familiengrabmal ohne weitere Störungen. Der Elefant zog mit einem Flaschenzug die schwere Steintür nach oben. Die herumstreifenden Ghule machten eine solche Vorsichtsmaßnahme erforderlich, wollte man sicherstellen, dass der Leichnam nicht in den Mägen der Leichenfresser landete. Unter den Segen der Geweihten wurde die Verstorbene auf ihren letzten Ruheplatz gebetet. Danach legte der Elefant den Rückwärtsgang ein und der schwere Stein machte das Grabmal wieder dicht. Zusammen trat man den Rückweg an. Im Dorf erhielten die Helden die versprochene Belohnung und kehrten nach einer Übernachtung wieder auf die Straße Perricum – Baburin zurück. Der weitere Weg wird sich auf die Uferstraße Mendlicum – Zorgan führen.


    ============ Ende Tanz der Elefanten=============================


    Die nächste Sitzung wird am 14.04.2026 stattfinden.

  • 274. Spieltag (14.04.2026)


    Der Weg ging zunächst zurück nach Darrenfurt. Die Gruppe hatte beschlossen entlang der Uferstraße südlich von Mendlicum nach Zorgan zu reisen. Die Reise über Morganabad und Marmelund brachte die Gruppe zur Mittagszeit des dritten Tages an die Stadtmauern der Küstenmetropole.


    Mendlicum bietet 5200 Bewohnern eine Heimatstatt. Ca. 1500 davon haben ihre Wurzeln im Mittelreich. Die Emira Aischanka saba Neraida führt hier das Herrschaftszepter. Die hufeisenförmige Stadt ist um den Kriegshafen herumgebaut. Einen Stadtteil hatten die Bewohner im mittelreichischen Stil erbaut, um sich hier heimisch zu fühlen. Als Besonderheit hat die Stadt einen Borontempel, durch welchen die Stadtmauer läuft. Es gibt sogar ein Tor, welches ein Eindringen von dem äußeren Tempelteil in den inneren Tempelteil gewährleistet. Schenkt man den hiesigen Sprechern Glauben, so bewachten sie rastlosen Seelen den Eingang. Jeder unerwünschte Eindringling würde sich sein Karma an der Wut der Schutzgeister vergiften. Und wer will es sich schon mit dem Totengott verscherzen. Sterben muss jeder mal.


    Die Helden erblickten das Wappen der Stadt im Barburiner Tor: eine silberne Mauerkrone unter türkisem Himmel mit silbernen Sternen. Bereits kurz nach dem Stadttor führte eine breite Straße nach Norden. Ganze Menschenmassen bewegten sich in diese Richtung. Man konnte ein Gespräch belauschen in dem davon die Rede war, dass die Mada Basari anlässlich der Neuerwerbung eines Landsitzes ein Fest gaben. Auch die Armen und Bettler waren eingeladen sich vom Orden der grünen Schleier Labsal geben zu lassen. Ein Peitschenschnalzer riss die Helden aus den Gedanken. Imion drehte sich um und starrte in die Nüstern zweier Lastenpferde, die ihm ihren heißen Atem ins Gesicht bliesen. Der Elf beruhigte die Tiere, was ein zwölfgötterlästerliches Fluchen von Seiten des Fuhrmanns nach sich zog. Welcher Irre veranstaltete eine Eröffnungsfeier, wenn die Handwerker noch bei der Arbeit waren? Erst jetzt fiel auf, dass der Lastenkarren mit Bauholz und Steinen beladen war. Nachdem die Helden Platz gemacht hatten, rollte der Karren wieder los. Begleitet durch das dauernde Gemäkel über menschenvolle Straßen. Leute, die in ihrer Ignoranz die arbeitende Bevölkerung von ihrer Tätigkeit abhielten. Die Gruppe nutzte den Windschatten des Karrens, um sich ungestört der Veranstaltung zu nähern. Als Imion dann aus Langweile noch seine Handharfe zückte, um eine elfische Weise zum Besten zu geben, verlor der Fuhrmann erneut die Contenance. Jetzt hatte er auch das fremdländische Geklimper auf den Ohren. Was hatte er getan, dass die Götter in so strafen mussten. Schließlich traf man am Anwesen ein.


    Ein u-förmiger mittelreichischer Landsitz mit einem Garten im Innenhof. Allerlei Pavillons zierten das noch grüne Gras. Wein, Tee, Pittas und natürlich Wasser mit Arangensaft wurden gereicht. Die Mondsilbersultana nickte den Neuankömmlingen gefällig zu. Eine Traube Handwerker versammelte sich unter einem Feigenbaum. Der Vorarbeiter, mit seiner staubigen Lederschürze, trat an die Wesira heran und teilte ihr in leisem Ton mit, das man im Keller zwei Leichen freigelegt habe. Leise waren die Töne, aber laut genug für scharfe Elfenohren. Die Mada Basari, eine aranische Handelsorganisation, hatte noch eine freie Zugabe beim Kauf des Anwesens erworben. Neugierig folgte die Gruppe den Handwerkern mit der Wesira zum Kellerabgang. Nun gab es einen kleinen Stau. Ein lautes Hüsteln machte die Helden darauf aufmerksam, dass jemand Durchlass begehrte. Ein Herr in weißer Überkleidung, welche mit einem roten Sonnensymbol verziert war. Sein Langschwert und das Sonnenzepter im Gürtel machten klar, dass es der Praiosgeweihte nicht gewohnt war, sich hintenanzustellen. „Wenn euch schon die Neugier hierhergetrieben hat, könnt ihr auch gleich mit hinunterkommen. Eure Kampfkraft könnte von Nutzen sein.“ Mit einem freudigen Hallo verkündete der Diener des Gottesfürsten, dass er Verstärkung mitgebracht habe.


    Es ging also in den Keller hinab. Die Wesira berichtete, dass sie das Anwesen gekauft habe, nachdem die ehemaligen Besitzer wieder in das Mittelreich zurückgekehrt waren. Das Gebäude musste 60 bis 70 Götterläufe gesehen haben. In den Seitengängen lag allerlei Schutt und Abfall, den die Handwerker bei ihren Arbeiten dort abgelagert hatten. Man drang weiter in die Gewölbe vor. Im Licht der Laternen tauchte ein erneuter Schuttberg auf. Davor lag ein lebloser Körper bekleidet in Handwerkerkluft. Gleichzeitig erfüllte für scharfe Ohren ein mittelreichisches Wiegenlied leise die Luft. Beim Näherkommen stellte man fest, dass der Körper einer Mumie glich. Die Haut spannte sich um den Schädel, alle Muskeln waren zusammengefallen. Der Mund stand offen. Sonea und Phelizitas überkamen dunkle Vorahnungen. Vampire? Lamijah? Letztere ehemalige Oron-Kultisten, welchen Belelkel ewiges Leben geschenkt hatte. In anderen Gegenden war sie als Sukkuben bekannt.


    Gegenüber der Leiche führte eine eingeschlagene Tür in einen länglichen Kellerraum. Dem Gang folgend bildete ein Holzgatter (statt einer Tür) eine weitere Möglichkeit in den Raum einzudringen. Nun hatte man keine Vorsicht bei der Begehung walten lassen, was allein bei der schieren Größe des Erkundungstrupps auch unsinnig gewesen wäre. Deshalb verwunderte es nicht, dass das Kinderlied verstummte und tapsende Geräusche aus dem Raum zu hören waren. Als Sonea in den Raum späte, erkannte sie eine bleiche Gestalt im Nachthemd. Die Gestalt hob ein Brecheisen und ging auf die Ingerimm-Geweihte los. Der Hammer der Geweihten krachte in die Seite des bleichen Mannes. Es war, wie wenn man auf ein ungespanntes Leder einprügeln wollte. Wirkung gleich Null [Rüstschutz 7]. Selhira drehte ihren Rabenschnabel auf die spitze Seite. Dieser Streithammer hatte auf der einen Seite einen stumpfen und auf der gegenüberliegenden Seite einen spitzen und leicht gebogenen Hammerkopf, was ihm zu seinem Namen verholfen hatte. Die spitze Kopfhälfte verursachte etwas Schaden. Thorns Balestrina war da schon wirkungsvoller. Auch der Flammenstrahl von Pheliziatas brannte sich seinen Weg durch die Lederhaut. Imion beschloss sich zu beschleunigen. Allerdings kam er mit den Geschwindigkeiten durcheinander [Angriffpatzer – Wurf 20] und er blieb mit dem Gürtel an einem massiven herausstehenden Eisennagel hängen und verlor seine Hose. Sigrun musste den Kurzbogen gegen den Kompositbogen tauschen. Der kurze Bogen hatte einfach nicht genügend Durchschlagskraft. Nachdem der Angreifer einiges an Schaden eingesteckt hatte, versuchte er Sonea mit aller Kraft wegzuschieben. Nach der langen Zeit des eingemauert seins, strebte das Wesen an die frische Luft. Die Geweihte hielt dagegen und es gelang ihr den Lamijah in den Kellerraum zu drängen. Das Wesen ließ von weiteren Versuchen ab, rannte den Raum hinunter und brach mit einem kräftigen Tritt das Holzgatter aus der Wand. Das war dann auch ihre letzte Tat, bevor ihr eine Balestrina-Kugel in den Kopf einschlug und den Untoten auf den Boden schickte.

  • Bei seiner Untersuchung konnte man keine Bissspuren am Hals feststellen. Auffällig war nur das Nachthemd. In der Ecke mit dem Mauerdurchbruch fand man eine bewusstlose Handwerkerin. [Heilkunde Wunden +] Durch Heilkunst konnte sie aus der Bewusstlosigkeit erweckt werden. Ihre Geschichte war kurz. Die beiden Handwerker hatten einen Mauerdurchbruch geschaffen, zwei Leichen dahinter entdeckt, wovon eine ihr sofort einen heftigen Schlag versetzt habe. Der Mann hätte ihr einen Kuss gegeben und dann sei es dunkel geworden. Die Nachschau am Durchbruch ergab eine Frauenleiche, leicht begraben unter Mauerresten. Deren Untersuchung brachte eine 1 Spann lange Haarnadel mit kunstvollem Griff zum Vorschein. Die Nadel war mit roher Gewalt durch das Genick in den Hinterkopf getrieben worden. Am Finger fand man einen goldenen Siegelring. Das Bild zeigte einen bepackten Esel und die Wörter „Schritt für Schritt“. Die Mondsilberwesira Gazalinde saba Neraida erkannte den Ring sofort. Er gehörte zur Familie Ebersen. Bei genauer Betrachtung handelte es sich bei den beiden (jetzt) Toten um das Besitzerpaar. Nur, wer wann dann in der Kutsche Richtung Mittelreich gereist? Sigrun hatte kein Interesse an den Toten. Sie interessierte mehr der Inhalt der Regale. Alte Tontöpfe und verrostetes Werkzeug. Im Weinregal fanden sich noch drei staubige Flaschen, die noch einen ordentlichen Füllstand aufwiesen. Nach einer kurzen Umschau verschwanden die Gebinde in der Stofftasche der Thorwalerin. Simold Rebenlieb, der Praiosgeweihte, hatte das Treiben an dem Mauerloch still beobachtet. Einem kurzen Räuspern folgte die Aussage, dass er einen Auftrag an die Helden zu vergeben hätte. Man sollte das jedoch vielleicht nicht vor den Arbeitern, sondern im Gartenzelt erörtern.


    Dort traf man sich dann auch. Der Praiosgeweihte bedankte sich für die Unterstützung durch die Helden. Die Mondsilberwesira wäre gerne bereit als Eigentümerin eine Kompensation für die Mühen zu leisten. Die Wesira schaute ihn mit zuckender Augenbraue an, griff aber schließlich in ihre Börse und zählte 5 Dukaten auf den Tisch. Der Vertreter des Göttervaters erzählte, dass ihm die Unordnung in der Stadt langsam über den Kopf wachse. Schmuggler, Oronverstecke und der Diebstahl eines geweihten Streithammers aus dem Borontempel, und jetzt auch noch eingemauerte Lamijah. Dazu kamen noch die Hintergründe für das Verschwinden der Ebersen. Er bot eine ordentliche Summe, wenn ihm die Helden hier etwas Arbeit abnehmen würden. Die Wesira konnte erzählen, dass sie den Hauskauf über den Gutsverwalter Arve Leinfahrer abgewickelt habe. Arve hatte eine Vollmacht der Ebersen vorgezeigt. Allerdings bestanden jetzt Zweifel an der Echtheit des Dokuments. Arve bewohnte nun das Gestüt der Ebersen südlich der Stadt. Nach der Abreise der Herrschaften, war der Haushalt aufgelöst worden und die Dienerschaft hatte sich eine neue Anstellung suchen müssen. Die Dienerin Damara hatte eine Beschäftigung in der Küche des Praios-Tempel gefunden. Die Helden willigten in den Auftrag ein. Da der Tag zu Ende ging, wollte man am Morgen mit den Untersuchungen beginnen.


    Man quartierte sich in der Herberge „Palastschatten“ ein. Diese liegt innerhalb des Festungsrings der Emirsburg. Zwerg und Elf beschlossen ein Zweibettzimmer zu buchen und den Preis für eine Woche im Voraus zu bezahlen. Thorn forderte die Herausgabe von 5 Metallscheiben von Imion. Dieser sah den Zwerg zweifelnd an und fragte nach, ob fünf Scheiben von dem goldenen Metall jetzt nicht etwas viel für 7 Übernachtungen wären. Deshalb zählte er ihm 5 Scheiben aus silbernem Metall auf den Tresen. Der Zwerg erklärte dem Legendensäger die Wirkung von GELD und den Wechselkurs der diversen Metalle Kupfer, Silber und Gold. Tatsächlich hätten die Silbermünzen den richtigen Wert für den gekauften Dienst der Übernachtung.


    Nachdem die Zimmer bezogen waren, stand Körperreinigung auf dem Plan. Endlich wieder mal ein Badehaus. [alle Gassenwissenproben erbrachten zusammen nur 1 Qualitätsstufe und somit nur 1 Gerücht] In den Gesprächen mit den Badenden kam heraus, dass die Mondsilberwesira das Herrenhaus als Schnäppchen erworben hatte, nachdem sie die Vorbesitzer aus Mendlicum vertrieben hatte.


    Die Ermittlungen werden am 21.04.2026 beginnen.

  • 275. Spieltag (21.04.2026)


    Neuer Tag neues Glück. Bislang hatte man zwei Hinweise, wo man ansetzen konnte. Zum einen Arve Leinfahrer, der ehemalige Gutsverwalter, der jetzt auf einem Gestüt südlich von Mendlicum wohnte. Und die ehemalige Leibdienerin Damara, welche sich zur Küchenfrau im Praios-Tempel umorientiert hatte. Die Helden beschlossen, sich zunächst um Damara zu kümmern. Den vermeindlichen Betrüger wollte man sich für den Schluss aufheben.


    Aus dem Schatten der Emirsburg ging man zum Praiostempel. Das Gebäude war eindeutig aranisch. Ein Viereckhof mit Flachdach und komplett in weiß gehalten. Durch das Doppeltor sah man in den schönen Innenhof. Ein Garten mit einem Springbrunnen. Die Brunnenfigur stellte einen Greifen dar, welcher seine wachsamen Augen auf jeden Besucher warf, der durch das Tor schritt. Weiße Kieswege und sauber geschnittene klotzförmige Hecken zeigten eine strickte Ordnung der Dinge. Kein Ästchen durfte die plane Oberfläche der Hecke durchwachsen, dafür sorgten die Akoluten peinlichst genau. Einer davon wurde durch die Helden angesprochen. Er führte sie auf die östliche, dem Hafen zugewandte Seite des Viereckhofs. Ein Klopfen an der offenstehenden Küchentür und ein paar Minuten später lud Damara zum Frühstück ein. Ein kleiner, von Hecken umwachsener Bereich neben der Küchertür mit Tisch und Sitzbänken. Man kam ins Gespräch. Damara hatte die Abreise der Ebersens aus dem ersten Stock des Anwesens beobachtet. Neben ihr war Thiomar gestanden, der Leibdiener des Herren, welcher jetzt auf dem Gestüt arbeitete. Die Kutschentür wurde von Yullabethild aufgehalten, die leider zwischenzeitlich verstorben war. Aber ihr Bruder lebte noch in der Stadt. Dann war da noch Rashdan Bishar, der Kutscher, welcher auf dem Bock gewartet habe. Rashdan sollte sich heute in Hafennähe herumtreiben, war aber vor Kurzem in der Bibiliothek des Tempels zu sehen gewesen. Die Herrschaften hätten sich für die Jahreszeit ungewöhnlich dicke Kleidung bereitlegen lassen, vielleicht erwartete man im Mittelreich schlechtes Wetter. Mit hochgezogenen Kragen und tiefsitzender Kopfbedeckung seien die Herrschaft eingestiegen. Nein, die Gesichter konnte sie nicht erkennen. Ihr war die Abreise schon länger angekündigt gewesen. Ashina und Rosalinde Weinacker waren nicht zu sehen gewesen. Kurz nach der Abreise hatte Rosalinde Weichacker Suizid begangen. Man hatte sie vergiftet in ihrem Bett in auf dem Rücken schlafend aufgefunden. Ashina soll in die Stadt gezogen sein, wo wusste die Küchenfrau, zuständig für Gebäck, nicht. Rosalindes Mutter lebt hier in Mendlicum. Zu Ronwulf, dem Stallburschen hatte sie keinen Kontakt mehr, aber seine Schwester lebt noch in Mendlicum. Wahrscheinlich ist er dort untergekommen.


    Das war jetzt schon eine ganze Menge an Hinweisen.


    Yullabeths Bruder war der nächste Anlaufpunkt. Die Schuhwerkstatt machte einen etwas vernachlässigten Eindruck. Ein kleines Fachwerkhaus im mittelreichischen Stil. Die Farbe der Fensterläden war schon etwas ausgebleicht. Aber das schmiedeeiserne Türschild mit Stiefel und Hammer machte die Profession des Bewohners klar. Ein Klopfen kündigte einen arbeitenden Menschen an. Als die Helden das Geschäft betraten, stellte Tullefried die Arbeit ein und fragte nach der Art der Reparaturen nach. Als die Sprache auf seine Schwester kam, verdunkelte sich seine Stimmung und er wandte sich ab [Überreden-Probe +] Er lud die Helden in seine Wohnküche ein. Es gab Fladenbrot mit Joghurt und Schlauchwein. Yullabeth war von der Abreise der Herrschaft völlig überrascht worden. Im Morgenmantel habe sie den Herrschaften beim Besteigen der Kutsche die Tür aufgehalten. Am Tag vor ihrem Tod sei sie auf dem Markt einem Bekannten aus dem Ebersen-Haushalt begegnet. Sie sei sehr aufgeregt gewesen und habe immer „Sie war das“, „Was für eine Scharade“ und „Dann hat der Bastard alles gewusst“ vor sich hingemurmelt. Mit selbstgezeichneten Skizzen sei sie zu Damara gerannt. Die konnte ihr aber nicht helfen. Der Geweihte Simold Rebenlieb sei nicht zu erreichen gewesen. Sie wollte den Priester aber schnellstmöglich aufsuchen. Dazu kam es dann nicht mehr. Ihre Leiche wurde in einer Seitenstraße erstochen aufgefunden. Tullefried stimmte der Untersuchung des Zimmers der Schwester zu.


    Einfachste Möbel, Tisch, Bett, Beistelltisch. Die Staubschicht zeigte an, dass hier alles zu geblieben war wie zum Todestag. Auf dem Beistelltisch fand man eine Zeichnung eines Armbandes. Daneben lag ein Briefbogen der mit den Worten „Euer Gnaden Rebenlieb“ begann. Dann folgte nur ein Tintenfleck. Fehlten Yullabeth die Worte oder hatte sie beschlossen ihre Informationen persönlich vorzutragen? Thorn untersuchte das Zimmer auf ungewöhnliche Verstecke [Zwergnase]. Tatsächlich fand er ein eingenähtes Kästchen in der Matratze. [Karte aus dem Spielkartenset „Schätze“] Eine einsame viereckige Münze blickte dem Zwerg entgegen. Er erkannte die Prägung sofort. Hier handelte es sich um Zwergensilber. Wohl eine Seltenheit in Aranien. Thorn schätzte den Verkaufswert auf zwei Silbertaler. Er entschloss sich dem Bruder das seltene Stück zu geben. Der Schuster bedankte sich und versprach aus dem Silberstück eine Halskette machen zu lassen.


    Was sollte es als nächstes sein? Der erwähnte „Bastard“ war wohl ein Mann. Die Gruppe entschied sich für den Kutscher Rashdan Bishar. Irgendwo im Hafen sollte er zu finden sein. [Gassenwissenproben, Phelizitas kritischer Erfolg (zweimal 1)] Die Magierin landete bei ihrer Auswahl der abgefragten Personen einen Volltreffer. Der verhärmte Mann, wahrscheinlich ein alter Fischer, riet von einem Kontakt zu Rashdan ab. Der Kutscher hatte sich zu einem Anführer der Schmuggler hochgearbeitet. Allein schon dieser Umstand ließ vermuteten, dass er am Verschwinden der Ebersen beteiligt war. Vor zwei Jahren war es zum Umbruch bei den Schmugglerbanden gekommen. Mehrere Konkurrenten waren tot aus dem Hafenbecken gefischt worden. Sein Stützpunkt war die Taverne „Schädelknochen“. Eine üble Spelunke. Die Gerüchte behaupteten, dass Rashdan Hilfe von der Tänzerin Blutrose gehabt haben soll. Wer zu ihr ins Zimmer gelassen wurde, erhoffte sich eine unvergessliche Nacht. Blutrose könnte ein passender Name für einen Sukkubus sein.

  • Phelizitas gab ihre Informationen an die Gruppe weiter. Dann gab sie ihr erlerntes Wissen zu den Lamijahs preis. Dabei gab es den Umstand, dass Haustiere die Untoten bereits in weitem Umkreis wittern konnten und unruhig wurden, wenn sie einen der Untoten detektierten. Also ging es zum Kleintiermarkt. Sigrun interessierte sich für einen ausgewachsenen Raben. Das Tier befand sich in einem runden Flechtkäfig mit einem Durchmesser von ca. 1 Schritt. [Tierkunde +] Der Vogel reagierte interessiert. Sonea hatte es auf ein kleines Äffchen abgesehen. Den kleinen roten Fes hatte es jetzt (noch) nicht auf dem Kopf, aber der Geweihte konnte eine Verbindung zu ihrem Tierfreund aufbauen. Sie übernahm auch gleich die Preisabsprache [Handel +] und konnte etwas Rabat heraushandelt. [Basispreis Affe 15 Silber, Rabe 2 Silber] Die Tiere wurden jeweils mit einer Fußfessel übergeben, welche mit dem Handgelenk des Käufers verbunden wurde.


    Nun ging es in den Hafenbereich und man erkundete die Taverne „Schädelknochen“. Ein zweistöckiges Gasthaus, halb überhängend ans Ufer bebaut. Der Überhang wurde durch zwei mächtige Holzpfeiler gestützt. Über der Wasserlinie verlief ein Bootssteg an dem ein kleines Fischerboot vertäut lag. Der Steg war durch den Überhang vor Regen geschützt. Auf der linken Seite des Gebäudes führte eine Treppe zu dem genannten Steg hinab. Die Front wurde von einer schweren Tür eingenommen. Immer wieder erhaschte man einen Blick in den dahinterliegenden Gastraum. Die Butzenglasfenster waren so verstaubt und milchig, dass sie nur wage Umrisse erkennen ließen. Immer wieder mal trat ein stattlicher Mann in ordentlicher Ausstattung vor die Tür. Mal warf er einen Betrunkenen auf die Straße, mal rauchte er ein kleines Pfeifchen zur Ablenkung. Der Sippenkrieger passte gar nicht zur schäbigen Kundschaft, die sonst durch die Tür kam. Allerlei Tagelöhner und verarmte Schiffer ließen sich hier volllaufen. Sie ließen sich aufgrund der Waffenlosigkeit gut von den Mitgliedern der Schmugglerbande unterscheiden. Hinter dem Gastraum im Untergeschoss schloss sich ein Lagerbereich an. Links vom Lagerbereich war ein Raum der Nachts durch eine Kerze oder Laterne erhellt wurde. Dort befand sich jemand, der sich nicht identifizieren ließ. Die Haustiere schlugen jedenfalls nicht an. An dem Fenster musste man vorbei, wenn man über die Treppe auf den Holzsteg am Wasser gelangen wollte. Rechts des Lagers gab es einen ähnlichen Raum, welcher jedoch dunkel blieb.


    Mit der Tür ins Haus fallen wollte man nicht. Hier war subtiles Vorgehen gefordert. Sigrun übernahm als Späher diese Aufgabe, während der Rest der Gruppe sich für ein Eingreifen bereithielt. [Es folgten mehrere Verbergen-Proben, um das leise Vorgehen zu sichern] Der Thorwalerin gelang es unerkannt auf den unteren Steg zu kommen. Sie bewegte sich zum Fischerboot und holte von dort zwei Ruder und verbarrikadierte die Hintertür. So konnte sie den Überhang genauer untersuchen. Dabei stellte sie ein Seil fest, welches zu einer Klappe in der Decke des Überhangs führte. [Kletternprobe / Körperbeherrschung] Die Klappe war nicht verschlossen aber ein Gewicht verhinderte, dass die Klappe noch oben weggedrückt werden konnte. Ein Abtasten zeigte, dass es sich um einen Teppich handelte. Mit dem Dolch [Körperbeherrschung] gelang es das Hindernis aufzuschneiden und über die nun offene Luke in den Raum einzudringen. Es drang nur milchiges Licht durch die Fenster, aber zumindest die Umrisse des großen Bettes waren zu erkennen. In einer Ecke befand sich ein kleines Bücherregal mit zwei Stühlen und Beistelltischchen. Aus dem Lagerraum drang durch den Türspalt etwas Kerzenlicht in den Raum. Das Bett war frisch gemacht und die Seidenbezüge der Kissen zeigten an, dass hier eine Person gastierte oder gastierte hatte, die weiche Schlafgelegenheiten gewöhnt war. Sigrun zog von beiden Kissen den Seidenbezug ab und nahm ihn mit. In dem Bücherregal fand sie zwei fast völlig zerlesene Bücher und eine Schriftrolle. Die Schriftrolle glich die Tabellen aus den Sternenbüchern von Niobara, welche die Nordfrau bereits gesehen hatte. Das ganze Schriftgut wurde eingepackt, dann traf die Späherin den Rückweg an. [Klettern / Verbergen]


    Die Schriftstücke wurden dann Phelizitas vorgezeigt. Die Magierin konnte die Buchrücken lesen: „Zwölfmal Zwölf Abentheurer, Teil 2 – der gelehrte Herr und die Heilkräuther des Todes“ und „Was glaubt das Volk“ von Errik von Dannike. Für ein ausgiebiges Studium war jetzt hier nicht der richtige Ort. Beim Entrollen der Schriftrolle konnte die Gelehrte feststellen, dass es sich um die Berechnung des Sajalana-Sterns handelte der seine Bahn über den Wurzeltempel im „Wald der wilden Schwestern“ zog. Am 30. Tsa würde er dort den Tempel kreuzen. [Götter/Kulte] Der Stern stellte einen Alverianer Tsas dar, welcher für die Geburt, Schwangere und grundsätzlich für das Leben steht. Für eine genaue Analyse war jetzt keine Zeit.


    Die nächste Sitzung findet am 28.04.2026 statt.

  • 275. Spieltag (28.04.2026)


    Die Hafenstraße war jetzt nicht der geeignete Ort, um sich die Bücher anzusehen. Deshalb verlegte die Gruppe in ihre Unterkunft. Die Sternenkarte war das erste Schriftstück. Zusammen mit Niobaras Sternenkarten versuchte man dem Pergament Informationen zu entlocken. Die Berechnungen der Sternwanderung führte zu einem Ort in der Nähe von Marmelund. Dort müsste sich ein alter Wald befinden. In seinem Inneren gab es einen Wurzeltempel, der den drei milden Schwestern (Tsa, Rahja, Peraine) geweiht war. Aufgrund einer Rätselspur fand nicht jeder Besucher diesen heiligen Ort. Das zweite Buch trug den klingenden Namen „Zwölfmal zwölf Abentheurer, Teil 2 – Der gelehrte Herr und die Heilkräuther des Todes“ [Aventrurische Bibliothek, S. 126]. Der Zustand der Bücher war erbärmlich. Phelizitas tat es in der Seele weh, wie rücksichtslos konnte man mit Wissen umgehen. Allerdings ließ sich aufgrund der Markierungen erkennen, was den Leser interessiert hatte. Eine Textstelle beschäftigte sich mit der Rätselspur des Wurzeltempels. „Was glaubt das Volk“ von Errik von Dannike war das letzte Beutestück. [Aventurische Bibliothek, S. 119]. Das Werk beschäftigte sich mit den Mythen, die man sich am winterlichen Herd zum Zeitvertreib erzählte. Auch hier fand sich eine Passage, welche sich mit dem Wurzeltempel beschäftigte. Mit diesen Erkenntnissen legten sich die Helden schlafen. Morgen stand ein langer Tag bevor.


    Die erste Anlaufstelle war die Schwester des Stalljungen Ronwulf. Nurhan wohnte mit einer stattlichen Kinderschar in der Altstadt von Mendlicum. Zunächst öffnete eine jüngere Frau die Tür. Nachdem die Helden sich vorgestellt hatten, rief die Tochter nach ihrer Mutter. Die 34-jährige kam an die Tür und fragte misstrauisch nach dem Begehr. Ihrem Bruder Ronwulf war etwa 14 Tage nach der Abreise der Ebersen der Schädel eingeschlagen worden. Im Hafenviertel, dort wo die Schmuggler ihr Unwesen trieben. Das passiert wenn man sich auf dunkle Geschäfte einlässt. Man sucht sich als Partner auch nicht den zwielichtigen Bishar aus. Gut möglich, dass er selber Hand angelegt hatte. Ronwulf war am Tag der Abreise der Ebersen bei ihr aufgetaucht und hatte stolz einen Beutel Geld vorgezeigt. Dann sei er nochmals gegangen und am späten Abend mit einem bemalten Holzbrett wiedergekommen. Auf dem Holzstück sei ein Esel oder Pferd abgebildet gewesen. Auf Nachfrage der Helden bot die Frau das Holz zum Verkauf. Zusammen mit der Besichtigung von Ronwulfs Zimmer, war die Gruppe zwei Dukaten los. Mit dem Holzbrett war ein undichtes Dach repariert worden. Es ließ sich durch einfache Handwerkskunst in Holzbearbeitung herausnehmen. Die Zeichnung zeigte das Wappen der Ebersen. Lücken in der Lackierung und das Loch für den Riegel machten klar, dass es sich hier um eine Kutschentür handelte.


    Als nächstes Stand die Mutter der verstorbenen Rosalinde auf dem Programm. Die 47-Jährige betrieb einen Pidda-Stand nahe des südlichen Stadttors. Morgens halb zehn im Dornenreich, braucht man eine kleine Stärkung. Das Essen war gut, nur störten die traurigen Augen der Köchin die nette Atmosphäre. Auch hier gaben sich die Helden als Ermittler in Praios Namen zu erkennen. Die Frau begann die traurige Geschichte zu erzählen. Ihre Tochter Rosalinde hatte ihr ganzes Leben für die Ebersen gearbeitet. Die Mutter war stolz, dass die Tochter eine solch ehrbare Anstellung gefunden hatte. Eines Abends, das mag wohl drei Götterläufe her sein, kam die Tochter mit ihrer neuen Liebschaft Ashina nach Hause. Die Ebersen nahmen Rosalindes Freundin als neue Dienerin auf. Was Ashina vor einem Leben im Hafenviertel rettete. Es fiel jedoch auf, dass Rosalinde immer müde nach Hause kam. Auch Ashina konnte keine Ursache finden. Dann kam eines Tages die Nachricht, dass man Rosalinde tot auf dem Dachboden aufgefunden habe. Ashina nahm sich der trauernden Mutter an und verschaffte ihr erschöpfenden Trost, bis die Hinterbliebene einschlief. Dann verließ Ashina die Frau. Die Dienerin wollte sein neues Leben im Orden der Grünen Schleier beginnen.

  • Nun blieben noch Thiomar, der Leibdiener des Herrn und der Gutsverwalter Arve Leinfahrer übrig.

    Zur Mittagszeit näherten sich die Helden dem Gestüt, welches sich eine halbe Stunde Fußmarsch weit neben der Küstenstraße im Süden befand. Nach einer Strecke zwischen den Weiden links und rechts der Straße, bog ein ausgefahrener Karrenweg ins Landesinnere ab. Das Wohn- und Verwaltungsgebäude war ein quadratischer Bau mit Innenhof. Einstöckig, mit Fenster für jeden Raum auf der Außenseite. Im Innenhof erstreckte sich auf Kniehöhe ein hölzerner Gehweg entlang der Gebäudemauer. Es waren die Türen zu den Räumlichkeiten zu sehen. Die Stallungen befanden sich in einem gesonderten Gebäude. Personal eilte zwischen Katzen und Hühnern durch den Innenhof. Ein gesetzter Mann mit Hund gab ruhig Anweisungen, welche Arbeiten durch wen auszuführen waren. Als die Helden im Zugangsbereich erschienen, ging er ihnen entgegen. Sein Hund, ein aranischer Straßenmischling, folgte ihm immer. Er stellte sich als Thiomar Belgor vor, Vorarbeiter des Gestüts. Auf die Ebersen angesprochen gab er stolz bekannt, dass er gerne der Herrschaft gedient habe. Völlig überraschend habe Hr. Ebersen das Gestüt in seiner Großzügigkeit dem Gutsverwalter überschrieben und er habe hier eine neue Anstellung gefunden, was in seinem Alter anderswo schwierig gewesen wäre. An die Abreise konnte er sich noch gut erinnern. Yullabeth hatte die Türe zur Kutsche aufgehalten. Er sei zusammen mit Damara im ersten Stock gewesen und habe die Szene beobachtet. Die Herrschaften hätten sich ungewöhnlich dicke Kleidung herrichten lassen. Auch über die Liebschaft zwischen Rosalinde und Ashina wusste er Bescheid. Es blieb ihm allerdings ein Rätsel, was Rosalinde dazu gebracht hatte ihre silberne Haarnadel an Ashina zu verschenken. Rosalinde hatte es jedem im Haus erzählt, um nicht den Verdacht aufkommen zu lassen, dass Ashina eine Diebin sei. Gerüchte gab es zu genügend. Angeblich sei das Haus verflucht gewesen. Immer wieder wurde von Schattengestalten im Garten und auf den Dächern berichtet. Aber er selbst hatte nie einen Geist gesehen. Von der Belegschaft hatte er kurz vor der Abreise noch ein Bild gemalt. Das sei jetzt seine Passion. Er bot den Helden Landschaftsbilder zum Kauf an. Daran bestand jedoch kein Interesse. Aber die Helden konnten das Gruppenbild betrachten. Nun hatten sie auch ein Gesicht zu Ashina, die bislang nirgends aufzufinden war.


    Der Vorarbeiter führte auf Wunsch der Helden eine Begegnung mit den Gutsverwalter herbei. Sein Arbeitszimmer befand sich in der Nordostecke des Verwaltungsbaus. Als die Helden durch die Tür traten, standen sie direkt vor dem Schreibtisch von Arve Leinfahrer. Dieser blieb sehr gelassen und sah ein, dass man eine Untersuchung von Seiten der Praios-Kirche durchführen musste. Lebende Leichen fand man ja nicht jeden Tag im Keller herumlaufen. Er weis auf die Sitzgruppe an der östlichen Wand und bewirtete die Gruppe mit Tee, Wein, Gebäck und Früchten. Bei der eigentlichen Abreise der Ebersen war er nicht anwesend gewesen. Somit konnte er hierzu keine Angaben machen. Hr. Ebersen hatte vor der Abreise ihm die Dokumente, sowohl die Vollmacht das Anwesen in der Stadt zu verkaufen, als auch die Überschreibung des Gutshofs, ausgehändigt. Nach dem Geschäft hatte er das Geld dem Kurierdienst der Mada Basari übergeben. Es wurde ein Wechsel ausgestellt, der es erlaubte die gleiche Summe von der Stoerrebrandt-Bank abzuholen. Der Wechsel sei per Kurier in eine kleine Stadt südlich von Gareth geliefert worden. [Menschenkenntnis +] Die Helden spürten, dass etwas an der Aussage faul war. Also begann man sich etwas im Zimmer umzusehen. Dabei bemerkte Thorn die Metalltür unter dem Sofa. Ein Zwerg erkennt einen Tresor, wenn er vor einem steht. Arve blieb bei seiner Geschichte. Also fragte man ihn, ob man sich mal auf dem Gestüt umsehen dürfe. Arve hatte damit keine Probleme, schloss aber seine privaten Räumlichkeiten aus. Er rief Thiomar, der die Helden herumführen sollte.


    Thiomar zeigte den Helden das Anwesen. Im Marstall fand sich keine passende schwarze Kutsche, oder ein baugleiches Gefährt mit neuer Tür und Farbe. Auf dem Hof wurden schwerpunktmäßig Pferde gezüchtet, aufgezogen und anschließend verkauft. Deshalb gab es eine Vielzahl von Weiden. Es fanden sich aber auch andere Nutztiere im Portefeuille. Der Weg führte auch auf die andere, der See zugewandten, Straßenseite. Thiomar erzählte, dass er hier immer an die Steilküste gehe, um zu Malen. Erneut bot er seine Landschaftsbilder zum Kauf an. Nach einer Reihe von Weiden, wurde die Fauna ungepflegter. Kein Nutzland, langes Gras, Kletten. Der Bewuchs nahm immer mehr ab, da das Salzwasser, welches der Wind, nach dem Aufschlag gegen die Klippen, über die Kante wehte, den Boden vergiftete. Am Klippenrand sah man ca. 50 Schritt in die Tiefe. Und man hatte einen glänzenden Blick auf das Meer. Linkerhand sah man Mendlicum mit seinen Hafeneinfahrten. Thiomar berichtete, dass man hier vorsichtig mit dem Herumwandern sein musste. Steile Risse zogen sich von der Kante ins Landesinnere. Eng und tief. Wer da hineinfiel, konnte zu Tode stürzen. Den Helden war klar, dass man hier problemlos eine Kutsche verschwinden lassen konnte. Eine langwierige Suche nach dem Gefährt hielten sie nicht für geboten. Spuren im Gras brauchte man, nach den lange Zeitspanne, zwischen Abreise und heute, nicht mehr erwarten.


    Was war im Tresor? Man hatte einige Beweise ausgegraben. Aber reichte das zur Festnahme? Wie konnte man Arve etwas kooperativer machen? Imion schlug vor, sich mit dem Mann anzufreunden. Auf magische Art. BANNBALADIN. Vielleicht würde der Gutsverwalter redseliger, wenn er einem Freund gegenüberstand. Also ging es zurück zu den Räumlichkeiten des Gutsverwalters.


    [Spieltechnik: Der Zauber verändert die Grundeinstellung einer Person in Bezug auf den Zauberer. Arves Einstellung entsprach Stufe 4 (von 9). Er hatte eine gewisse Abneigung gegen Wesen, die in seinen Sachen herumschnüffelten. Imion legte seine Zauberprobe ab (welche er durch einen Schicksalspunkt wiederholte). Dann verstärkte er die Zauberwirkung durch einen weiteren Schicksalspunkt um 1 Qualitätsstufe. Damit brachte er Arve auf Stufe 7. Der empfand nun Vertrauen und Freundschaft zum Elfen.]


    Imion erzählte, dass er im Wald noch nie einen Stahlschrank im Boden gesehen habe. Dort grub man ein Loch und ließ die Wurzeln einen Deckel formen. Arve zog sich einen Lederhandschuh an und ging zu einer präparierten Speikobra, welche auf dem Schrank stand. Zwischen den Giftzähnen holte er einen Schlüssel aus dem Maul der Schlange. Zusammen mit Sigrun wurde das Sofa auf die Seite geräumt und der Tresor geöffnet. Arve übergab die Überschreibung, den Kaufvertrag und die Vollmacht Thorn. Darunter kam eine große Ledertasche, fast ein Sack zum Vorschein. Der Rand des kreisrunden Leders war mit mehreren Löchern versehen. Dadurch fädelte man eine Kordel und erhielt beim Zusammenziehen der Kordel ein stabiles Transportbehältnis. In klein hatte man so was am Gürtel hängen und musste sich vor Beutelschneider in Acht nehmen. Aber die Form eines Behälters sagte nur bedingt etwas über seinen Inhalt aus.


    Sonea und Phelizitas schauten sich mal im Büro um. Auf dem Schreibtisch lag die aktuelle Bestandsliste des Tierbestands. Mit dem Datum des Einkaufs, bzw. Verkaufs versehen. Und was fand man am Tag der Abreise der Ebersens? Den Zugang von zwei Nutzpferden. Keine Fohlen, sondern ausgewachsene, trainierte Pferde. So ein Zufall !!! Während Arve dem Elfen die Vorzüge eines Stahlschrankes im Vergleich zu Wurzelgeflecht beibrachte, schaute sich Thorn die drei Schriftstücke genauer an. [Malen/Zeichnen +; Schriftgutfälschung fällt unter dieses Talent] Die Handschrift war auf allen dreien die gleiche. Wie konnte das sein? Die Ebersen, welche Vollmacht und Überschreibung ausgefertigt haben, konnten wohl nicht einen Kaufvertrag aufsetzen. Denn da waren die Ebersen bereits abgereist. Und das Schriftbild glich dem im Tierverzeichnis. Thorn mischte sich mit diesen Ungereimtheiten in die elfische Unterhaltung ein. Sigrun versuchte den Sack aus dem Tresor zu heben. Aber 2 000 Dukaten wiegen gute 50 Stein und sie musste [Kraftakt +] schwer ziehen, aber das Klimpern, als der Sack auf den Boden prallte war eindeutig. Jetzt war es Arve genug und er verwies die Helden lautstark vom Hof. Der Zauber war verflogen. Mit lautem Gezeter rang er mit Thorn um die Dokumente, welche der Zwerg nicht mehr aus der Hand geben wollten. Die Tür ging auf und Vorarbeiter mit Hund erschienen auf dem äußeren Laufsteg. [Überzeugenprobe +] Thiomir wurde von der Beweislast erschlagen. Nach Einsichtnahme in die Dokumente konnte er bestätigen, dass Vollmacht und Überschreibung nicht in der Handschrift von Herrn Ebersen verfasst waren. Die kannte er als Bote für Briefe seiner Herrschaft gut genug. Er ließ seinen Hund abliegen und sah der Festnahme teilnahmslos zu.


    Arve wurde vor den Praios-Geweihten Simold Rebenlieb gezerrt. Mit den vorgelegten Beweisen blieb dem Gutsverwalter nichts anderes übrig als zu gestehen. Um einer Folter zu widerstehen, hatte er nicht die Kraft. Er war an der Scharade beteiligt gewesen. Ashina und Ronwulf hatten die Kleidung der Herrschaft getragen. Mit dem Mord hatte er nichts zu tun. Er hatte nur die Gelegenheit für eine Betrügerei genutzt. Rashdan und Ashima hatten sich um die Ebersen gekümmert. Rashdan war in seiner Taverene „Zum Schädelknochen“ zu finden. Wo Ashina war, wusste der Gutsverwalter nicht. Die Mondsilberwesira und der Praios-Geweihte waren sich einig und Arve wurde der Stadtobrigkeit übergeben. Thiomir erhielt den Auftrag, gegen eine handvoll Dukaten aus dem Münzsack als Entschädigung, das Gestüt weiter zu betreiben.


    Am 05.05.2026 wird die Hafenkneipe erneut eine Schauplatz sein.

  • 276. Spieltag (05.05.2026)


    Nach Absprache mit dem Praios-Tempel, bzw. seinem Geweihten Simold Rebenlieb, wurde vereinbart, dass der Zugriff auf die Gaststätte der Schmugglerbande erst später erfolgen soll. Zuerst hatten die Helden noch ein Interesse daran, sich nochmals einen Überblick zu verschaffen.

    Phelizitas und Thorn betraten den Gastraum und wurden vom Wirt angesprochen. Er wies ihnen einen kleinen Tisch zu, den er zuvor mit seinem, mehr oder weniger sauberen Tuch, saubergewedelt hatte. Eine eher nutzlose Geste, aber der Wille zählte. Phelizitas bestellte einen Wein und Thorn ein Bier. Der Wein war genau das, aber damit endete bereits die Produktbeschreibung. Das Bier schien mehr aus Wasser als aus Gerstensaft zu bestehen. Man ließ den geneigten Blick durch die Runde schweifen. Klar abzugrenzen waren die angetrunkenen Hafenarbeiter. Ein stattlicher Sippenkrieger stand vor einer Tür in der Nordwand. Viele Gäste machten den Eindruck von Halsabschneidern, die die beiden Helden genau bewerteten, ob sie in die Kategorie Opfer passten und wie hoch der zu erwartende Widerstand sein würde, im Vergleich zum erhofften Nutzen. An der Ostwand lief eine Treppe zu den Räumlichkeiten der Dirnen hinauf. Eines der Zimmer hatte Sigrun in der vergangenen Nacht besucht. Man bestellte sich noch etwas zu essen. Phelizitas genügte sich mit einem Schälchen Oliven, während Thorn den Fleischeintopf wählte. Besagter Eintorf bestand aus irgend einer fleischartigen Substanz, welche in einer tomatenartigen Sauce weichgekocht und mit reichlich Salz gewürzt worden war. Als der Wirt das Geschirr wegräumen wollte, wurde durch die Al´Anfanerin der Wunsch geäußert mit dem Chef zu sprechen. Der Wirt sagte es dem Sippenkrieger, welcher sich durch die bewachte Tür zurückzog. Durch die kurz geöffnete Tür sah man einen kleinen Gang. Auf der linken Seite ging eine Tür ab, durch die der Krieger verschwand, rechts befand sich nochmals eine Tür zu einem unbekannten Raum.


    Nach kurzer Zeit kam der Krieger zurück. Auf dem Weg zum Tisch der Helden befahl er die Beseitigung eines eingeschlafenen Hafenarbeiters. Als ihn einer der Schurken angrabschen wollte, machte er ihm klar, dass der Versuch die Hand des Neugierigen kosten würde. Der Kämpfer teilte mit, dass Rashdan Bashar zu einem Treffen bereit sei. Die beiden Besucher wurden in einen Raum geführt, das wohl sowas wie ein Chefzimmer sein sollte. Es gab einen Schreibtisch mit Stuhl auf dem der „Schmugglerkönig“ residierte. Sein Schlafplatz schien der verranzte Sofa in der Ecke zu sein. Dann gab es noch diverse Schränke. Phelizitas eröffnete das Gespräch mit einer Nachfrage bezüglich der angebotenen Dienste. Die Kommunikation entwickelte sich zu einem Kaufgespräch für eine Musikergruppe mit Tänzerinnen, die man in den Süden schicken konnte. Rashdan versprach innerhalb einer Woche die Leute „eingesammelt“ zu haben. Er erbat die Vorkasse von 7,5 Dukaten pro Person. Der Rest wäre mit der Anlieferung der Sklaven fällig. Thorn, welcher seiner Rolle als Leibwächter nachkam, schaute sich unauffällig um [Sinnesschärfe +]. Von der Außenecke des Zimmers verlief ein dicker Holzbalken zur Decke, welche gleichzeitig den Boden der Dirnenzimmer darüber bildete. In dem Balken befand sich ein Versteck, welches eine Länge von circa 1,5 Schritt aufwies. Die Nachfrage nach der berühmten „Blutrose“ ergab, dass die Tänzerin vor ca. 1 Woche ihre Räumlichkeiten verlassen hatte. Rashdan hatte die Geschäftsbeziehung beendet und die „Tänzerin“ ausbezahlt. Einen Wegzugsort konnte der Schmuggler nicht nennen. Phelizitas Blick fiel auf einen handelsüblichen Streitkolben, der hier als Briefbeschwerer für die Papiere auf dem Tisch diente. An der Wand befand sich ein kleiner Schrank, welcher mit leeren Weinflaschen gefüllt war. Die Flaschen waren auf ein paar Buchseiten geparkt worden. Die Magierin konnte die Wort „Lust“ und „Fänge“ lesen. Darauf angesprochen behauptete Rashdan, dass es sich um Altpapier handeln würde, das halt noch keiner aufgeräumt habe. Phelizitas bat um die Übergabe der Seiten, da sie es als eine Verschwendung von Wissen ansah, das beschriebene Papier einfach zu vernichten. Rashdan stimmte dem zu und man vereinbarte die Übergabe der ersten Rate für den morgigen Tag. Die beiden Helden verließen die Taverne.


    Die Beiden trafen sich mit dem Rest der Gruppe. Bei den Seiten, welche mit Gewalt aus einer Buchbindung gerissen worden waren, handelte es sich um eine Abhandlung, welche sich mit den unnatürlichen Eingenschaften eines Belkelel-Vampirs auseinandersetzte. Sigrun beschloss sich nochmals in das Zimmer zu schleichen. Die Zeit verging bis zur nach Mitternacht. Dann trat sie wieder ihre leise Reise über die Außentreppe an. [Es folgten eine Vielzahl von Verbergen-Proben] Die von ihr gestern mit den Paddeln blockierte Hintertür war zwischenzeitlich wieder freigeräumt worden. Das Türschloss stellte kein Hindernis dar und die Thorwalerin betrat den Gang zum Chefzimmer durch die Hintertür. Nur das Licht von flackernde Kerzen und Fackeln aus den Türritzen des Gastraumes und des Arbeitszimmers des Oberschmugglers beleuchteten den Boden. Zumindest sah man Hindernisse auf dem Boden relativ gut. Die Wände des Ganges verschwanden völlig in der Dunkelheit. Sigrun schlich sich zu Tür des Schmugglers. [Sinnesschärfe -1 gelungen] Gleichmäßige Schnarchgeräusche waren zu hören. Die Tür wurde lautlos geöffnet und Sigrun betrat den Raum, welcher nur von einer Kerze beleuchtet wurde. [Ab hier wurden die Verbergen-Proben mit den Sinnesschärfe-Proben des Schlafenden verglichen] Sigrun trat an den verdächtigen Balken. Mit der Kerze in der Hand untersuchte sich das Holz und fand eine feine Einkerbung, wo man den Deckel des Verstecks mit einem Dolch heraushebeln konnte. Ohne den Schläfer zu wecken, legte die Thorwalerin den Innenraum des Verstecks frei. Darin befand sich ein Streithammer, ähnlich wie ihn Selhira trug. Auch diese Waffe war mit Rabensymbolen und den Zeichen eines gebrochenen Wagenrades versehen. Das Ding wanderte in den Gürtel. Bevor Sigrun der Raum verließ, untersuchte sie noch einen geschlossenen Schrank. Dort fand sie ein Giftfläschchen (Kukris) und eine Goldkette. Auch diese Dinge wurden Teil der Beute. Sigrun gelang ein störungsfreier Rückweg.

  • Die Nacht war fast vorbei und deshalb beschlossen die Helden gleich zum Praios-Tempel zu gehen. Man stellte fest, dass der Gebetsraum von innen verriegelt worden war. Deshalb wartete man auf den Sonnenaufgang. Kurz davor wurde der Innenriegel entfernt und ein noch verschlafen aussehender Akoluth blickte erstaunt auf die wartende Gruppe. Er lud die Gruppe auf ein Teefrühstück ein, doch Thorn war dies zu fade. Er wünschte sich was Alkoholhaltiges. Der Praios-Diener kam mit den Getränken zurück. Thorn erhielt einen kräftigen Kräuterschnaps. Sigrun erkannt des eindeutigen Geruch von Premer Feuer, einem Destillat aus vergorenem Rübensaft, welches mit Kräutern verbessert worden war. Irgendwann betrat auch Simold Rebenlieb den Gebetsraum. Er wurde auf den neuesten Stand gebracht. Er bot an, die Taverne mit Seekriegern auszuheben. Damit sollte er jedoch noch etwas warten, bis die gefundene Boron-Waffe den Weg in den Tempel gefunden hatte.


    Im Boron-Tempel wurden die Helden durch Rabraxes von Milohet begrüßt. Der Geweihte freute sich über die Rückführung von „Ruhebringer“, einem geweihten Mendlicumer Stechhammer. Nedimsira saba Rasmani war mit ihm gegen die Dämonenverseuchung der Grüfte vorgegangen. Leider hatte sie den Sieg mit ihrem Leben bezahlt. Woher genau die Waffe herkam, verlor sich in der Dunkelheit der Geschichte. Als dem Borongeweihten erzählt wurde, dass man auf der Jagd nach einem Vampir war, bot er an, den Hammer auszuleihen. Außerdem übergab er der Gruppe zwei Dosen Marbos Hauch. Das zerriebene Pflanzenpulver war in Wurfbeuteln verpackt, die beim Aufprall eine Giftwolke freisetzen sollten. Die halluzinogene Wirkung traf sofort ein. Der Geweihte des Totengottes gab noch bekannt, dass sich in dem Wurzeltempel ein Heilbrunnen befand, dem man nachsagte, auch schwere magische Krankheiten heilen zu können. Allerdings hing die Stärke des Heilwassers auch mit den Sternen zusammen. Die größte Wirkung wurde für den 25. Tsa vorhergesagt. Der Orden der Grünen Schleier veranstaltete regelmäßig Pilgerfahrten zu dem Tempel.


    Nun war es Zeit für den Schlag gegen die Mendlicumer Schmuggler. Der Praiosgeweihte hatte zwischenzeitlich ein Überfallkommando aus Seekriegern organisiert. Eine kleine Galeere setzte ihre Truppen auf dem Bootssteg unter, bzw. hinter der Taverne ab. Zeitgleich stürmte ein Landtrupp die Trinkhalle durch den Haupteingang. Um zu bewerkstelligen wurden Spiegel zur Kommunikation eingesetzt. Rashdan Bishar hatte keine Chance und so war die Gegenwehr auch überschaubar. Die Beweislast gegen ihn war ausreichend und er landete in einer Kammer des Paiostempels zum Verhör. Das Urteil war eindeutig. Allein auf den Diebstahl der borongeweihten Waffe „Ruhebringer“ stand das lebendige Einmauern. Die Konspiration mit einer Lamijah und die beiden Morde an Yullabeth und Ronwulf brachten ihm das zweite Todesurteil: Erhängen an Rosenstängelbündeln. Da man jemanden für gewöhnlich nur einmal umbringen kann, entschied sich der Praiosgeweihte für das Einmauern.


    [Zur Erklärung der Bestrafungsart: Boron = Totengott = lebendig begraben; Lamijah = Dämonenpaktierer mit Belkelel = Gegenspielerin von Rahja, der Liebesgöttin = die gottgefällige Pflanze: Rose]


    Rashdans letzten Worte, bevor der letzte Stein in der Tunnelmauer des Borontempels gesetzt wurde: „Ihr wisst ja gar nicht wozu sie fähig ist! Sie kann jeden um den Finger wickeln, ihr habt schon verloren!“


    Am 12.05.2026 geht die Vampirjagd los.

  • 277. Spieltag (12.05.2026)


    Total übermüdet legen sich die Helden erst mal hin. Am Nachmittag traf man die Vorbereitungen für die Abreise in Richtung Wurzeltempel. Die Mada Basari und der Praiostempel stellten Pferde und Proviant zur Verfügung. Die Helden entschlossen sich dafür, das Angebot nur teilweise anzunehmen, denn sie wollten Thorns Wagen mitnehmen. An nächsten Morgen zog die Gruppe los und erreichte am Abend Marmelund. Der zweite Tag der Reise führte sie in den, in den Büchern beschriebenen, Wald der drei Schwestern.


    Der Wald war alt und Imion fühlte sich gleich wieder zu Hause. Er spürte, dass hier etwas Besonderes vor sich ging. Man hatte eine Fläche erreicht, an der die Pilger ihre Pferde parkten. Dies zeigten die Hufspuren in der weichen, feuchten Erde. Ein ausgetretener Pfad führte tiefer in den Wald, der den Göttinnen Peraine, Rahja und Tsa gewidmet war. Der Ausgang zum „Parkplatz“ verschwand hinter einer Wand aus Baumstämmen und Unterholz. Die Stämme waren mächtig, drei Menschen mussten sich an den Händen fassen, um den Umfang der Pflanzenriesen zu messen. Erster Halt war eine Weggabelung in drei Richtungen. Hier gab es kleine Lichtung. Ein geflochtenes, fast einen Schritt durchmessendes, Vogelnest markierte den Eingang zu einem weiteren Pfad. Die beiden anderen Eingänge wurden durch eine auf einen Stein gemalte Eidechse und einen Torbogen aus zusammengewachsenen Kletterrosen gebildet. Nach einer kurzen Beratung entschieden sich die Helden für das Rosenportal.


    Die Lichtung verschwand im Rücken, die Sonne, die ihre Strahlen aufblinkend durch das Blätterdach schickte, zeigte die Richtung an. Schließlich erreichte man eine weitere Lichtung. Wieder drei Ausgänge, gekennzeichnet mit einem kleinen Weizenfeld, einer abgestreiften Schlangenhaut, welche um ein kleines Stämmchen gewickelt worden war und zwei kleinen geflochtenen Pferden, die einen Grasstreifen bevölkerten. Nach einer kurzen Absprache beschloss man dem Pfad des Lebens zu folgen, also den Pfad des Weizens zu nehmen. Kurze Zeit darauf bemerkte Imion, dass sich die Sonne auf der anderen Seite befand und man eigentlich zurück lief. Umkehren wollte man nicht und man setze einen Weg fort. Dieser brachte die Helden auf die erste Lichtung zurück. Kurze Beratung – nochmals das Rosentor.


    Wieder auf Lichtung Zwei angelangt, entschied man sich nun dem Weg Rahjas zu folgen. Die Rose war ihre heilige Pflanze, Pferde wurden dieser Gottheit zugeordnet. Die Wahl war klug und man erreichte eine dritte Lichtung. Knoblauchgeruch zog durch die Lüfte und das kleine Feld am Ausgang war schnell eindeckt. Ein kleiner Wasserfall ergoss sich in ein Becken und das Sonnenlicht, welches durch den Sprühnebel des rieselnden Wassers fiel, markierte mit einem Regenbogen einen weiteren Ausgang. Zuletzt blieben noch die zwei Weinstöcke, die so gezogen worden waren, dass sie einen Torboden ergaben. Rahja sollte den Weg zeigen, also entschied man sich für den Wein.


    An Wasser schien es hier nicht zu mangeln, denn man erreichte einen kleinen Fluss. In dem Fluss streckten große, flache Findlinge ihre Köpfe über die Wasseroberfläche und bildeten eine natürliche Querungsmöglichkeit. Allerdings lag auf dem dritten Stein ein riesiger Igel. Erste Schätzungen ergaben eine Länge von zwei Schritt. Das Tier würde etwa 150 Stein wiegen. Aus dem Maul des liegenden Tieres hing der zwei Finger dicke Endkörper einer Schlange heraus. Das Stacheltier hatte sich an seiner Mahlzeit verschluckt. Von Stein zu Stein zu kommen, war keine Schwierigkeit, auch für die kurzen Beine eines Zwerges nicht. Thorn nutzte seine Kenntnisse über Tiere, die er auch für seine beiden Zugpferde brauchte, um sich dem verletzen Tier zu nähern. Nach anfänglicher Skepsis, hörte das Zittern der Flanken des Igels auf. Das Tier wollte eine Schlange verspeisen und die Schlage hatte ihre Zähne in die Zuge des Igels gebohrt. Nun hatte sich ein Patt ergeben. Das Loslassen der Schlage würde zu ihrem Tod führen und der Igel war nicht fähig sich des Plagegeistes zu erwehren. Da das Stacheltier nun beruhigt war, ließ es auch Imion an sich herantreten. Mit einem Heilzauber gelang es dem Elfen, die Schlange zu lösen, das Gift aus der Wunde zu drücken und die Verletzungen auf der Zungenhaut zu schließen. Dafür hielt er nun einen Schlangenkopf im Genick und der Leib der Gliederlosen schlängelte sich um seinen Unterarm. Der Elf ging ans Ufer zurück und legte seinen Arm in das Schilf. Dann ließ er das Tier los. Die Schlange verwand in der Uferbiosphäre. Anschließend konnte mit Hilfe der Felsen das Gewässer überquert werden.


    Der Weg auf der anderen Seite führte wieder in den Wald und nach kurzer Zeit erreichte man einen eingewachsenen und gemauerten Torbogen. [Sinnesschärfe +] Unter dem Blattwerk verbargen sich Einkerbungen in Stein. Sonea nahm Phelizitas auf die Schulter [Kraftakt +]. Die Magierin bog die Blätter auf die Seite und legte einen gemeißelten Satz frei. Sie konnte nicht fließend Ur-Tulamidia lesen, aber die aktive Sprache war ihr wohl bekannt. Es handelte sich um einen Fragesatz, der die Wörter Rede und Hiersein umfasste. Man sprach ein paar Worte und es zeigte sich keine Wirkung. Deshalb ging man weiter und kam zu einer Lichtung. In der Mitte war ein Opferstein zu sehen. Man sah buntes Kerzenwachs, verfaulte Früchte und ein Loch mit frischem Wasser im Stein. Umgeben war der Stein von drei Frauenstatuen:


    Tsa war als Schwangere in einem Sari dargestellt. Ihr Gesicht verschwand in einen Kapuze. Auf dem Sockel konnte Phelizitas die Worte Ich und Neu entziffern. Die Göttin stand für den Beginn des Lebens. Peraine trug eine Pluderhose und eine Weste. In der Hand hielt sie eine Sense, auf der die Worte Ich und Arbeit zu lesen waren. Rahja. trug nur ein Wickelkleid. Ihr Gesicht war hinter einem Schleier verborgen. In jeder Hand hielt sie einen weiteren. In das dünne Steingewebe waren die Worte Ich und Freude eingraviert.


    Da die drei Steinfiguren den Opferstein anblickten, erwarteten sie eine Antwort. Lange Sätze waren wohl nicht zielführend. Kurz und knackig musste es sein. Was stellten die Göttinnen dar? Geburt, Wachsen, Lebenslust. Imion brachte laut den Lösungssatz hervor: „Ich will leben!“ Die drei Statuen wechselten scharrend ihre Blickrichtung und auf der gegenüberliegenden Seite machte die Pflanzenmauer Platz und gab einen weiteren Pfad frei.

  • Nach einiger Zeit schien man am Ziel angekommen zu sein. Ein Felsblock bildete einen 10 Schritt hohen Hügel, darauf wuchs ein übergroßer Apfelbaum. In den Fels war ein Tor geschlagen worden. Die Ränder der Öffnung zierten die Symbole der drei Göttinnen. Andere Symbole waren ein Opfer Satinavs [Gottheit der Zeit] oder von Menschenhand getilgt worden. Eine dunkle Treppe ging in die Tiefe. Sonea ließ eine kleine Flamme erscheinen. Phelizitas Stauberzab verwandelte sich in eine Fackel. Thorn, als praktisch veranlagtes Wesen, entzündete schlicht seine Laterne. Licht ist Licht.


    Es ging hinab in eine Eingangshalle. Gegenüber des Eingangs, im Norden, gingen links und rechts Gänge ab. Man konnte sich aber auch sofort für diese Richtungen entscheiden, ohne den ganzen Raum durchqueren zu müssen. [Sinnesschärfe +] Leise Worte kamen von der Wand, bzw. aus beiden Gängen gegenüber. Beruhigend, einflüsternd, lieblich fordernd. Langsam bog man auf den nördlichen rechten Gang ein. Dieser führte nordwärts in eine schwach beleuchtete Halle. In der Mitte war ein Altar. Dicke Wurzelsäulen querten den Raum von der Decke in den Boden hinein. Und in einer dieser Säulen, scheinbar eingewachsen, war der Körper einer grün bekleideten Frau zu sehen. Daneben stand Ashina, bekannt aus Thiomar Familienbild, und versuchte die grüne Frau mit ihren Einflüsterungen aus der Trance zu holen. An der Nordwand neben den lichtspendenden Kohlebecken hatten sich fünf Pilger aufgestellt, die wie gebannt auf die Vampirin starrten. Ein Lichtstrahl fiel durch die Gewölbedecke und traf den Altar. Dort musste es eine Wasserquelle geben, denn die Lichtreflexionen tanzten die Decke entlang. Ein kurzer Überblick ergab, dass auch von der nördlichen Wand des Heiligtums nach rechts (Osten) und links (Westen) Gänge abgingen.


    Die Gruppe ging zurück in den Eingangsbereich und folgte nun dem zweiten Ostgang. Dieser bog nach kurzer Strecke in Richtung Norden ab und man erreichte einen Raum, welcher als Übernachtungslager hergerichtet war. Dort lagen mehrere Rucksäcke und eine gleiche Anzahl Schlafunterlagen auf dem Boden. Die Mitte des Raumes bildete eine kalte Feuerstelle. Die rußgeschwärzte Höhlendecke zeigte mehrere Risse, so dass die Rauchgase abziehen konnten. Sigrun durchsuchte einen Rucksack genauer und fand einen kleinen Anhänger und Alltagskleidung. Weiter ging es den Gang in Richtung Norden.


    Man kam in eine schmale, langgezogene Höhle. Im Osten reihten sich sieben Stauen an der Wand auf. Nur noch zwei waren unbeschädigt. Der Rest war zu Gesteinsmehl und Brösel verfallen. Weiter im Norden führte ein schmalen Gang aus dem Raum. In der Westwand war eine breite Öffnung, die in Richtung Altarraum zeigte. Eine Statue bildete einen aufrecht stehenden Katzenmenschen mit angelegten Schleiern ab. Eine ungute Aura umgab die Figur. Phelizitas identifizierte die Figur als Erzdämonin Ahasmayra. Die Dämonin war auf al´anfanischen Festen wohl bekannt. Als Katzenfrau hatte sie den Beinamen „bittersüße Kralle“. Sie bot Unterhaltung bei Brettspielen und Begleitung bei Festivitäten. Von ihr waren sexuelle Gefälligkeiten und erholsame Massagedienste zu erwarten. In Aranien wurde sie Rahkatza genannt. Eigentlich müsste jede(r) Geweihte(r) das Ding in Fetzen hauen, aber der Lärm würde mit Sicherheit Ashinas Aufmerksamkeit erregen. Die zweite intakte Statue wurde durch Imion als Abbild von Zerzal, der elfischen Todesgöttin, erkannt. Sigrun konnte die gute Aura der Figur erspüren. Die Elfenfigur hielt einen Steinspeer in der Hand. Der Speer war nur eingesteckt und somit ein loser Teil der Statue. Sigrun nahm ihn an sich. Ein Speer der Totengöttin, wie würden Vampire darauf reagieren? Weiter wollte man nicht nach Norden vordringen und man ging zurück zur Eingangshalle. Dort nahm man nun der östlichen Weg, direkt von Eingang ab.


    Auch dieser Gang bog nach kurzer Zeit in Richtung Norden ab. Allerdings kam man hier nicht in eine Übernachtungsstätte, sondern in eine Kristallhöhle. Spitze Bergkristalle ragten in ein Pfad hinein. In einem großen durchsichtigen Klotz war ein Spinnenwesen eingeschlossen worden. Bei einer näheren Betrachtung war kein Leben in der Kreatur feststellbar. Die Helden durchquerten den Raum weiter Richtung Norden. Thorn blieb an einem Kristall hängen und verletze sich am Handrücken. Der Kristall brach ab und zerplatze nicht einem leisen Klirren in tausend Stücke. Man kam an eine Kreuzung. Die Gänge Richtung Norden und Westen ging in das Unbekannte. Der rechte Gang führte wohl wieder in den Altarraum zurück.


    Die Gruppe entschied sich für den Westgang und landete in einer nach Norden führenden länglichen Höhle. Ein dichter Vorhand aus Wurzelgeflecht versperrte die Sicht auf den nördlichen Teil der Höhle. Das Durchschreiten stellte keine Schwierigkeit dar, allerdings wäre hier jeder Schwertkämpfer in einem Kampf stark behindert, da er nicht mit seiner Waffe ungestört ausholen konnte. Die Helden kamen in den Nordteil der Höhle. Ein kreisförmiges Becken aus Sand lag vor ihnen. Dahinter blickte ein mannshoher Drachenkopf ihnen entgegen. Kurz war ein blonder Haarschopf zu erkennen, der schnell hinter der Beckenmauer verschwand. Er gehörte einen verängstigten Pilger, welcher hier Schutz gesucht hatte. [Heilkunde Seele +] Die Borongeweihte konnte den Mann zum Sprechen bringen. Ashina war mit einem Pilgerzug der Grünen Schleier hierher gekommen. Sie hatte die anderen unter Kontrolle gebracht. Einer der Reisenden hatte der Einflüsterung widerstanden und Ashina hatte ihm den Hals aufgerissen, dann sei er selbst weggerannt, um sich zu verstecken. Bislang hatte die Lamijah nicht nach ihm gesucht. Kämpfen würde er nicht, aber er könnte versuchen die anderen Pilger aus ihrer Umnachtung zu reißen.


    Da man nicht abschätzen konnte, wie lange die eingewachsene Geweihte den Einflüsterungen widerstehen konnte, entschlossen sich die Helden dafür, eine weitere Erkundung abzubrechen und auf Konfrontation zu gehen. Selhira und Sonea besetzten den nordwestlichen Zugang zum Altarraum. Phlizitas und Imion den südwestlichen Gang in das Heiligtum. Der südöstliche Zugang blieb für Sigrun und Thorn. Damit machte man sich für den Kampf bereit.


    Das nächste Treffen ist für den 19.05.2026 geplant.

  • 278. Spieltag (19.05.2026)


    Alle waren für den Angriff in Stellung gegangen. Phelizitas begann ihren Flammenstrahl zu zaubern und betrat dann aus dem Südwesten kommend den Hauptraum des Tempels. Ashina bemerkte die neue Sikaryan-Quelle sofort. Neues Leben, das es abzuernten galt. Mit einem Lächeln dreht sie sich um, öffnete ihren Dornenfächer und machte sich zum Kampf bereit. Leider war die Magierin einen Tick schneller, sie beendete ihren Zauber und schickte einen Flammenstrahl durch den Raum, dem die Vampirin nicht mehr ausweichen konnte. Neben dem Feuerschaden, begann die Kleidung des Ziels zu brennen. Imion kam hinter der Zauberin her und beschleunigte sie (Axxeleratus). Sigrun betrat den Raum aus dem Südosten, spannte ihren Bogen und verpatzte ihren Angriff der Pfeil ging am Ziel vorbei und schlug in die Schulter einer Pilgerin, die im hinteren Bereich des Raumes auf Befehle von Ashina wartete. Die Verzauberung war so stark, dass der Getroffenen nicht einmal ein Schmerzensschrei über die Lippen kam. Thorn, der Sigrun gefolgt war, traf mit seiner Balestrina, aber die Eisenkugel verursachte nur geringen Schaden. Die Haut der Vampirin war sehr widerstandsfähig [Rüstschutz 7]. Die Untote wollte sich nicht den gesammelten Angriffen der Gruppe stellen, flüchtete aus dem Hauptraum durch den nordöstlichen Zugang und löschte ihre brennende Kleidung. Selhira wartete zunächst im nordwestlichen Gang und entschied sich, nach Westen zur Kreuzung zu rennen. Der nördliche Gang der Kreuzung war noch nicht erkundet worden und so bestand die Vermutung, dass er möglicherweise um den Hauptraum herumführte.


    Aufgrund der Beschleunigung waren Pheliziats und die thorwalische Späherin aufgrund ihrer Gewandtheit, schneller als die Untote. Phelizitas konnte den Tempelraum durchquerten und einen neuen Flammenzauber beginnen. Sigrun warf ihren Bogen weg und wechselte auf die Nahkampfwaffe, während sie auf die Vampirin zuging. Imion versuchte sich erfolglos mit einem Zauber selbst zu beschleunigen [auch der Einsatz eines Schicksalspunktes half nicht weiter]. Die Vampirin nahm sich Sigrun als Ziel und verletzte sie mit ihrem Dornenfächer. Thorns Balestrina verursachte etwas mehr Schaden als beim ersten Mal. Phelizitas traf Ashina zum zweiten Mal mit ihrem Flammenstrahl und brachte den Kleiderbrand wieder zurück. Selhira folgte nun dem Gang nach Norden, welcher tatsächlich eine Biegung um den Hauptraum herum machte. Sie kam zu einem Spalt im Boden, welcher sich mit Hilfe einer breiten Holzbohle überwinden ließ.


    Phelizitas begann erneut mit einem Zauber, blieb aber auf Abstand. Sigrun schlug mit ihrem Säbel zu, konnte die Vampirhaut aber nicht durchdringen. Die Vampirin flüchtete durch einen Wurzelvorhang, den Gelegenheitstreffer von Sigrun nahm sie hin. Geschickt drehte sich die Untote durch die Wurzelstränge [Körperbeherrschung gelungen] und löschte ihren Kleiderbrand. Die Regenerationsfähigkeit der Untoten konnte den angerichteten Schaden nicht in der Geschwindigkeit ausgleichen, wie er verursacht wurde. Nach dem Durchschreiten des Wurzelvorhangs war sie aus dem Sichtfeld der Angreifer verschwunden. Dafür überquerte Selhira die Brücke und rannte weiter den Gang entlang. Sie durchquerte eine Höhle, in dessen hinterem Teil ein Haufen Knochen und schildgroße Chitinreste zu sehen waren, außerdem noch etwas, das wie eine Kuhle aussah. [Fährtenlesen +] Mit einem Riesenskorpion wollte sich die Borongeweihte nicht anlegen, weswegen sie sich die Tunnelwand entlang drückte. Am Ende ihrer Bewegung hatte sie Sichtkontakt mit der Vampirin. Thorn rannte in Richtung Wurzelvorhang, hatte aber keine Sicht mehr auf sein Ziel. Imion glückte der Beschleunigungszauber und er konnte aufholen.


    Der Elf kam auf die andere Seite des Wurzelvorhangs brachte Ashina mit einem FULMINICTUS zu Boden. Der Kampf schien vorbei zu sein und die Helden umstellten den Vampirkörper. Dabei konnten sie feststellen, dass sich die Wunden wieder schlossen. Selhira holte mit ihrem Rabenschnabel aus und schlug einen kritischen Treffer. Warten... Die Wunden schlossen sich immer noch. Schließlich setzte Thorn seine Balestrina an und drückte ab. Als der Vampirkörper sich dann in Staub verwandelte, nickte der zustimmend. Zurück blieb die grüne Schleierbekleidung und ein Elburumer Dornenfächer. Den Fächer nahm die Magierin an sich.


    Dann ging es zurück ins Heiligtum. Nach einigem Zureden, trat die Perainegeweihte aus dem Wurzelschild, der sie vor dem Zugriff der Vampirin bewahrt hatte. Die Frau bedankte sich für die Rettung und gewährte den Helden Zugriff auf die heilige Quelle. Sigrun wollte die Folgen ihres Patzers ausgleichen. Der Pfeil steckte noch immer in der Schulter der Pilgerin. Mit dem Ende der Vampirin war auch der Zauber gebrochen und nun plagten Schmerzen die Frau. Pfeil herausreißen oder abbrechen und durchschieben war die Frage. Selhira schaute sich das Ganze an. Imion stand bereit für einen Heilzauber. [Heilkunde gescheitert] Pfeil rausreißen war die Lösung, dumm nur, dass die Spitze im Schulterblatt festsaß. Ein gellender Schrei erfüllte die Tempelhalle, gefolgt von einem wimmernden Schluchzen. Die Perainegeweihte konnte diesem Heilversuch nicht zusehen und griff ein. Mit ihrem medizinischen Werkzeug löste sie die Pfeilspitze einigermaßen schmerzfrei aus dem Knochen. Imion setzte seinen Heilzauber ein und der Schaden war behoben. Das Wasser der Quelle war rein und gut. Die belebende Wirkung war sofort zu spüren. [nächtliche Regeneration für die nächsten 8 Wochen um 2 erhöht].


    Die Arbeit war getan und die Helden reisten zurück nach Mendlicum. Dort konnten sie der Wesira und dem Praiosgeweihten ihren Bericht erstatten und die Bezahlung einstreichen. Aufgrund der überstandenen Gefahr verdoppelte die Wesira ihr Angebot. Einer Abreise in den Süden stand nichts mehr im Wege und die Gruppe machte sie auf dem Landweg nach Zorgan. Die Reise verlief ereignislos.


    ==================Ende Stumme Schreie=======


    Zorgan, die Hauptstadt Araniens, trug den Beinamen „die Mondsilberne“. 20 000 Individuen lebten in der Stadt. Tempel gab es in Hülle und Fülle. Nach der Einsamkeit der Straße wurden die Helden durch die Menschenmassen erschlagen. Am Stadttor erwartete sie ein Werber, welcher die Aufgabe hatte, Besucher zu ihrer Unterkunft zu bringen. Er bot der Gruppe an, sie in die Karawanserei „Rote Kamele“ zu führen. Dort sei genug Platz für den Wagen und die Pferde. Der Weg führte an den berühmten Rosengärten vorbei, querte den Wasserlauf zwischen den beiden Flamingoseen, der Rahjatempel schien neue Fenster bekommen zu haben und an der Außenmauer hatte der weiße Marmor noch ein paar Brandflecken, die sich nicht beheben ließen. Die südliche Randstraße brachte die Reisenden an der Niederlassung der Beilunker Reiter vorbei zur Karawanserei. Dort wurden sie durch Taref as´Sarjabaran in Empfang genommen. Mit seiner hohen Stimmen begrüßte er die Gruppe und wies den Helden ihre Zimmer zu. Den späten Nachmittag genossen die Recken damit, sich den Staub der Straße abzuwaschen. Am Abend wollte man sich in das Gewimmel der Straßen begeben.


    ====Beginn Niobaras Vermächtnis: Aranische Rätsel=====


    Am 26.05.2026 geht die Reise weiter.

  • 279. Spieltag (26.05.2026)


    Die Körper waren wieder sauber und die Wanderei durch die Straßen Zorgans hatte ein leichtes Hungergefühl bei den Reisenden aufkommen lassen. Taref hatte seine Karawanserei bereits auf das Abendmahl, das er inklusive zur Zimmermiete anbot, hergerichtet. Unter den Arkadenbögen waren Tische errichtet worden. Es gab hohe Tische für die, die es gewohnt waren auf Bänken und Stühlen zu sitzen, aber auch niedere Tische für Gäste, die es sich auf Teppich und Kissen gemütlich machen wollten. Aranische Klänge untermalten die Essensgaben. Eine auffällig gekleidete Gestalt betrat den Innenraum der Karawanserei. Taref begrüßte die Frau mit ausgebreiteten Armen. Nach einem kurzen Gespräch wies Taref mit dem Arm auf den ersten Tisch, gegenüber den Helden. Die Frau, Anfang 30, setzte sich in Bewegung. Ihre figurbetonte, bis zur Hüfte geschlitzte Robe umspielte eine außergewöhnlich ansehnliche Figur. Sie sprach die Gäste an und ging sofort zum nächsten Tisch weiter, wenn jeder am Tische kopfschüttelnd verneint hatte. Manchmal sah sie sich Arme, Beine, Münder und Augen eines Gastes an, um dann einen kleinen Tiegel oder ein Beutelchen aus ihrer Umhängetasche zu nehmen. Schließlich erreiche sie den Tisch der Helden. Sie stellte sich als Khelbara ay Baburina vor. Bei näherem Hinsehen erkannte man eine Schlangentätowierung, welche am Bauchnabel begann, sich um den Körper wand und im Gesicht endete. Über dem rechen Auge der Magierin befand sich der Kopf des Wesens. Sie fragte, ob die Gäste Labsal benötigen würden. Sie sei eine anerkannte Heilerin. Man kam ins Gespräch. Als der Name Niobara fiel, stutzte Khelbara kurz. Auch sie sei immer wieder auf der Suche nach alten Dingen. Dabei sei sie auf ein kleines Rätsel gestoßen und wolle nun die Meinung hierzu von anderen Reisenden hören.


    Sie legte einen Zettel auf den Tisch:


    Wenn dunkle Zeiten kommen und gehen

    und Menschen blau schimmernd Alveran vor sich sehen,

    der Kaiser Zwist vergangen ist, da einer für ihr Reich gestorben ist,

    dann suche nach der Rätsel List.


    Khelbara bestellte sich ein Kännchen Tee und ließ die Hirne arbeiten.

    Dunkle Zeiten kamen und gingen immer; zuletzt geißelte Borbarad und seine Erben Aventurien. Ohne weitere Zeitangaben war das schwierig zu verorten. Blauschimmerndes Alveran? Es war Blauleuchtendes aus dem Himmel - Havenna mit dem Meteor aus Gwen Petryl. Der Schreiber musste aus der Neuzeit kommen oder über gute Kenntnisse in der Kunst des Prophezeiens verfügt haben. [Probe auf Geschichtswissen (Garetien oder Almada)] In der Schlacht der drei Kaiser (1028 BF) opferte sich der selbsternannte Kaiser Answin von Rabenmund gegen den untoten Drachen Rhazzazor. Das würde dann zum ersten Satz passen. In den Folgejahren schwelte der Konflikt zwischen den beiden anderen Kaisern, Rohaja und Selindian Hal. Selindian opferte sich, um eine orkische Gefahr zu bannen. Die Zeit schien also reif zu sein, um sich die Liste der Rätsel näher anzusehen.


    Die Magierin nippte an ihrem Tee und gab bekannt, dass die Helden nicht unbegabt seien. Sie übergab den Helden ein weiteres Dokument, welches sie aus den Aufzeichnungen einer Bianora Sternfreund entschlüsselt hatte. Da die Helden auch den Sternenfall erforschen wollten und sich auf der Suche nach Niobaras Erbe gemacht hatten, wäre eine Kooperation sinnvoll. Als Kontaktadresse nannte sie eine alte Herrenvilla an der südlichen Stadtmauer. Dort würden ein paar Freunde residieren, wenn sie nicht mit der Verwaltung von Malqis beschäftigt waren. Als die Helden zustimmten, überließ Khelbara sie ihren Gedanken.


    Phelizitas öffnete die Schriftrolle:


    Wandelt sich ein Sternbild auch, wisse, die Zeit nimmt ihren Lauf.

    Und manches, was vergessen ward, anderer dann später barg.

    Fleißig lerne selbst und lehre deine Kinder, mehret euer Wissen, einer fernen Tages wird einer die Lösung des Rätsels finden:


    Wenn ein Bann von Rashtuls Sohn erneut gesprochen wurde, werden sich die Zeichen häufen und sich die Eile im neunflüssigen Ei offenbaren. In der Sultansstadt wird immerwährend gehütet und geschützt das Wissen.


    Bastrabuns Bann war bekannt. Der Sohn Rashtul al´Sheiks hatte einen Bannzaun errichtet, welcher verhindern sollte, dass die Echsen das Tulamidenland erobern. Dieser Bann wurde zu Zeiten Borbarads Rückkehr wieder rekonstruiert. Die häufenden Zeichen konnte der Sternenfall sein oder eben das Auffinden weiterer Rätselteile. Das neunflüssige Ei bezog sich auf die Stadt Khunchom. Der Mhanadi fließt dort mit neun Armen in das Meer. In der dortigen Drachenei-Akademie wurde ebensolches gelagert. Die Akademie-Truppen waren als Ritter des Immerwährenden Kampfes bekannt. Vielleicht sollte man der Stadt mal einen Besuch abstatten.

  • =========== Beginn: Heldenwerkarchiv 4: Ein Fest für die Augen====


    Nicht nur Khelbara war an der Heldengruppe interessiert, auch Tarefs Cousine hatte die Gruppe beobachtet. Die 30jährige Frau stellte sich als Ayshira Oyan vor. Als Fernhändlerin konnte sie ihre Netzwerke in Zorgan nicht mit der gewünschten Sorgfalt pflegen. Ihr Onkel war zwar eine Hilfe , aber in letzter Zeit bekam sie immer schwieriger Kontrakte. Sie vermutete, dass sich hinter den Kulissen Absprachen ereigneten, die nur bestimmten Personen Handelsvorteile gewährten. Oyan wollte etwas Licht in diese Absprachen bringen und vermutete, dass das Fest des Typographischen Instituts für diese Zwecke genutzt werden würde. Sie wollte die Helden als ihre Augen und Ohren dort hineinbringen. Entsprechende Einladungen könne sie besorgen.


    Die Helden zeigten Interesse. Thorn wollte schon immer mal eine Druckerpresse mit seinen mechanischen Kenntnissen unter die Lupe nehmen. Für die Geweihten und die Magierin war die maschinelle Verbreitung von Wissen und Glaubensschriften interessant. Der Legendensänger war an den Festgebräuchen der Menschen interessiert. Für Sigrun war es schnell verdientes Geld. Ayshira war gern bereit ein paar Hintergrundinfos rauszulassen. Das Institut suche immer finanzielle Unterstützer, seien es Händler für die Vermarktung der Schriften oder Autoren und Auftraggeber für die herzustellenden Schriften. Sie vermutete, dass sich auf dem Fest auch Anbieter und Käufer teurer Schwarzmarktwaren finden werden. Zudem befindet sich hinter den Außenmauern der berüchtigte Stadtteil Zorigan. Wenn man was Illegales sucht, findet man dort immer einen Verkäufer. Sie mahnte auch zu Vorsicht. Mit hoher Wahrscheinlichkeit würde auch der Zorganer Kurier einen Vertreter schicken, der auf der Suche nach einer Story ist. Drei Dukaten für jeden, ist eine ansehnliche Bezahlung für eine Nacht Arbeit. Und die fehlende Festkleidung würde auch besorgt werden.


    Da das Fest erst am übernächsten Abend stattfinden würde hatte man noch genügend Zeit für weitere Besorgungen. Nach dem Frühstück am nächsten Morgen wurde der frische Kopf dafür verwendet, sich im Hesindetempel weitere Informationen zu Bianora zu besorgen. Man fand einen Briefwechsel zwischen drei Schülerinnen Niobaras: Bianora, Chania und Esmalda. Bianora Sternfreund von Zorgan war die älteste und unterrichtete hier in Zorgan. Chania bint el`Layla war mit Niobara nach Khunchom gereist. Dort wirkte sie zunächst als Laiendienerin und später als Geweihte im Hesindetempel. Zuletzt blieb die Jüngste: Esmalda al`Mudra. Übersetzt hieß das Esmalda das Siegel. Sie wurde auch Schlüsselmeisterin von Niobara genannt. Sie begleitete Niobara nach Anchopal und gründete in Rashdul die Niederlassung der grauen Stäbe. Dort verstarb sie dann auch. Damit hatte man weitere Anlaufpunkte gefunden.


    ==============Ende Abschnitt Zorgan für Arananische Rätsel=====


    Den Nachmittag verbrachte man bei der Stadtbesichtigung. Besonders hatte es den Helden das Immamfeld angetan. Eine Art aventurisches Hockey. Mit einem Schläger trieb man einen Ball über das Feld und schoss diesen unter oder über der Torlatte zum Siegpunkt. Die Mannschaft in Zorgan hatte einen etwas amateurhaften Charakter. Das zeigte sich auch am Spielfeld, einer eingezäunten Wiese. Im Mittelreich wurden dieser Sportart ganze Stadien gewidmet. Den Tagesabschluss bildete eine Bootsfahrt auf den Flamingoseen. Es zeigte sich, dass außer Pheliziatas niemand so richtig mit einem Ruderboot umgehen konnte. Und ausgerechnet die Thorwalerin hatte sich für diesen Tag frei genommen. Als die Al´Anfanerin das Boot wieder unbeschädigt zum Verleih zurückbrachte, war sie in nicht mehr ganz entspannter Stimmung. Aber zumindest konnte man sich bis morgen ausschlafen.


    Am nächsten Tag bereitete man sich auf das abendliche Fest vor. Über den Haupteingang gelangte man in die Empfangshalle und konnte sich einen ersten Eindruck von den Gästen bilden. Ein hochnäsiger Barde ließ den Legendensänger nach ein paar Sätzen stehen. Selhira machte Bekanntschaft mit einer Schreiberin, welche es auf die Terrasse zog. Offenbar erwartete sie jemanden dort zu finden, der nicht oder noch nicht da war. Sonea tauschte ein paar Erfahrungen mit einem galanten Entdecker aus. Reisen in den Süden, die Vorzüge des Horasreiches, etc. Thorn traf eine junge Schreiberschülerin. Die Geschwätzige ließ den Zwerg nicht zu Wort kommen, sondern erklärte schnell sprechend, wie man Lettern herstellt, sie aneinander setzt, in Spiegelschrift versteht sich, man solle sich aber beim Gießen nicht am heißen Blei verbrennen. Und dann musste man auch noch Abstände zwischen den Lettern setzten, sogenannte Spatien. Es fielen Wörter wie Gevierte, Regletten und Stege. Dickflüssige Farbe, damit nicht alles verschmiert. Bekam man fast nicht mehr aus der Kleidung und den Fingern. Papier welches nicht zu saugfähig war, aber dann doch, weil die Schwärze einziehen musste. Mechanisch? Die Presse war ein Tisch. Auf dem Tisch lagen die gerahmten Lettern, Papier drauf und dann mit einem Hebel und gleichmäßigem Druck auf die geschwärzten Lettern gedrückt. Anschließend Papier weg, neue Schwärzung mit einem sandgefüllten Kissen. Hatte ich schon erwähnt wie eklig Druckerschwärze ist? Aber das Alles könnt Ihr heute Abend noch beim Rundgang besichtigen. Ab einem gewissen Zeitpunkt war der Mechanikus in ein hypnotisches Kopfnicken verfallen und irgendwie froh als die Schreiberin auf die Begrüßung durch den Institutsleiter aufmerksam machte.


    Das weitere Fest findet am 02.06.2026 statt.

  • 280. Spieltag (02.06.2026)


    Während der oben genannten Gespräche versuchten sich die Helden auch einen Überblick über die Gäste zu verschaffen [Proben wahlweise auf Betören, Überzeugen, Überreden gegen Willenskraft]. Dass die Autorin Emiramis, mit der reinen weißen Haut, ein Geheimnis umgab, war offenkundig. Sie erwartete jemanden. Selhira widerstand dem betörenden Werben um einen Tanz durch die Frau. Als sich Phelizitas mit der Druckerin unterhielt, konnte sie in Erfahrung bringen, dass die Frau massiv Probleme hat, wenn jemand grammatikalische Fehler in seine Sätze einbaut. Das führte dazu, dass sie das Gegenüber sofort unterbrach und den Satz richtigstellte. Imion kam bei den Musikern nicht über das Thema Musik heraus. Das Duo aus Trommel und Flöte war etwas zugänglicher gewesen. Der verschleierte Barde ließ den Elfen arrogant abblitzen. Thorn konnte den Redefluss seiner geschwätzigen Schreiberin nicht unterbrechen. Sonea tauschte mit ihrem Entdecker ein paar geografische Weisheiten aus. In dieser Zeit wanderte Sigrun durch den Empfangssaal und bemerkte die aufgetischten Speisen. Die Thorwalerin nutzte die Gelegenheit und bediente sich an dem kostenlosen Essen. Mit einem reichlich gefüllten Teller wanderte sie umher und versuchte den Berg auf ihrem Geschirr kleiner werden zu lassen. Der dickleibige Haushofmeister mit seinem Kugelstab trat ihr in den Weg und fragte nach, ob man im Norden nicht bis auf die Freigabe des Tisches warten würde, sondern sich jeder gleich auf die Auslage stürzt. Hier in Aranien sei es Sitte darauf zu warten, dass der Gastgeber die Speisen frei gab. Das verstand jetzt Sigrun nicht so ganz. War das Essen nicht zum Essen da? Warum warten bis die Fliegen in der hiesigen Hitze ihre Eier darauf ablegen? Schulterzuckend ging sie weiter.


    Ein älterer Mann rief die Gesellschaft heran. Er stellte sich Jashan Tiltenbrugger vor und begrüßte die zahlreich anwesenden Gäste. Im Anschluss an die Begrüßung war es vorgesehen die Gäste durch die Druckerei zu führen. Anschließend gäbe es eine kleine Pause zur Stärkung bei Musik und Tanz. Die Vorstellung der neusten Bücher erfolge dann im Obergeschoss, bevor ein Ausklingen des Abends bei Tanz und Gaukelei stattfand. Dann begann der Rundgang im Untergeschoss. Man besichtigte die Typengießerei und das Farblabor, wo aus Fett und Farbpulver die Druckerschwärze hergestellt wurde. Die auch so hieß, wenn man sie mit dem roten Pulver aus gemahlenen und getrockneten Blattläusen herstellte. Hatte schon jemand mal was von Druckerröte gehört? Ein paar Tropfen Druckerpaste waren auf den Boden gefallen. Selhira gelang es im letzten Moment ihren Schritt zu vergrößern. Drei Gäste waren weniger glücklich gewesen und ihre Schritte ließen sich bei nachlassender Farbintensität hinein in die Druckwerkstatt verfolgen. Dort standen sie dann, die Wunderwerke der Technik. Die Erklärungen Tiltenbruggers unterschieden sich nicht von denen, welche Thorn bereits in der Empfangshalle vernommen hatte. In letzterer landete man dann wieder nach dem Rundgang. Das Buffet wurde eröffnet und man hatte wieder etwas Zeit für sich. Sigrun hatte ihren Teller mit auf den Rundgang genommen und den Mitgliedern ihrer Gruppe hin und wieder ein Speisenangebot gemacht. Die anderen Gäste hielten sie von diesen seltsamen Personen fern. Spätestens jetzt war dem Rest der Gäste klar, dass die Fremdlinge zusammengehörten.


    Zeit sich mit weiteren Gästen auseinanderzusetzen. Die Tänzerin Semira war nicht magisch begabt, wie Phelizitas erfuhr. Die Körperkünstlerin war auf der Suche nach weiteren Anstellungen, nachdem sie bei der letzten Darbietung bei einer ungeschickten Drehung eine teure Vase des Gastgebers zerstört hatte. Den Schaden musste sie zurückzahlen. Der Gardist hatte sich in die Autorin mit der reinen Haut verschossen. Selhira erfuhr, dass er eigentlich in zivil an der Feier teilnehmen wollte. Aufgrund eines Krankheitsausfalls bei der Garde müsse er aber nun heute Abend Dienst leisten und eine Rüstung sei nun keine angemessene Kleidung für eine Anbandlung. Selhira war den Meinung, dass man das gut mit einem Strauß Blumen, welche im Garten wuchsen, wett machen könne. Hamal ibn Rezzan setzte sich in Bewegung. Als die Autorin sah, dass der Gardist in den Garten ging, lief sie wieder auf den Balkon, um zu sehen, was die Ordnungsmacht so trieb. Thorn war das aufgefallen und er war der Geheimnisvollen gefolgt. Die lokale Händlerin unterhielt sich mit einem Helden, gab aber keine wichtigen Informationen preis. Sie war keine Konkurrenz für Ayshira, die Auftraggeberin der Helden. Irgendwie wollte sich hier nichts ergeben. Waren die Vermutungen der Fernhändlerin gegenstandslos? Sigrun stellte ihren benutzten Teller auf einen Beistelltisch. Ein kurzer Rundblick – der Dicke mit dem Stab inspizierte gerade eine Nachlieferung aus der Küche. [Verbergen +] Sigrun stieg unbemerkt die Treppe in den ersten Stock hinauf.


    Im ersten großen Saal waren zwei hüfthohe Stelen aufgebaut auf denen jeweils ein Buch lag. Das erste Werk war auf einer farbigen Landkarte von Aranien aufgeschlagen. Sigrun blätterte das Buch durch und fand noch ein paar Stadtwappen, die ihr auf der Reise von Perricum nach Zorgan schon aufgefallen waren. Eine Landkarte braucht jeder Navigator, kurzerhand riss sie die Karte heraus und schlug eine andere bunte Seite auf. Das zweite Werk war wesentlich kleiner und passte in die Umhängetasche der Späherin. Aufgeschlagen war ein Bild von einem Reiter, welcher sich mit Staubschutz vor dem Gesicht und weitem Kaftan durch eine Wüstenlandschaft bewegte. Ein schnelles Durchblätter brachte weitere Abbildungen zum Vorschein. Der Brunnen im Innenhof eines Palastes, der Reiter mit einem tulamidischen Begleiter, wie er sich Raubbeduinen vom Leibe hielt. Eine Schöne, welche ihr Haar an den Ufern eines Oasensees pflegte. Alles Bilder aus einer Sandwüste, welche Sigrun bislang noch nicht bereist hatte. Da niemand da war, um sie an der Mitnahme zu hindern, steckte sie das Buch ein. Dann schlich sie sich wieder zur Gesellschaft nach unten.


    Gerade rechtzeitig, um sich noch einen großen Teller mit Essen zu besorgen. Dann lud Tiltenbrugger die Leute nach oben ein. Etwas verstört kam es zu einer Diskussion mit der Druckerin, dass die Auslage hier nicht wie vereinbart hergerichtet war. Sogar ein beschädigtes Exemplar hatte man bereitgestellt.Tiltenbrugger schickte die Druckerin eilig los, Ersatz zu besorgen. Den Gästen erklärte er sehr ausschweifend um welche Druckwerke es sich handelte. Die Geografica Arania, ein Werk, welches als Atlas Araniens entworfen worden war. Die Geografica Aventuria sei viel zu oberflächlich, was ja aufgrund der Breite des behandelten Stoffes nicht zu erwarten war. Aventurien in einem Band beschreiben zu wollen, was für ein Wahnwitz. Der andere Band trug den klingenden Namen: Zwischen Karawanenstaub und Wüstenblumen. Hier handelte es sich um ein Werk der Belletristik welcher schöngeistlich und romantisch das Leben in der Wüste beschrieb. Etwas für den Nachttisch. Selhira erkundigte sich nach anderen romantischen Werken, mehr so auf der körperlichen Ebene. Und wurde an den Rahjatempel verwiesen. Solche Werke, obwohl vielfach von der Bevölkerung erwünscht, würden nicht in das Portfolio des Verlages passen. Das Typografische Institut sei ein anständiges Haus und über die körperlichen Gelüste erhaben. Der Entdecker erkundigte sich über die Verarbeitung seines Beitrags zu Geografica. Der Institutsleiter dankte nochmals für den Beitrag und zeigte die entsprechenden Seiten im Buch vor. Wobei er sich für etwaige Kürzungen entschuldigte. Ein Buch hatte auch seine Inhaltlichen Grenzen, wenn man alles Wissen in ein Werk packen wolle. Es fiel auf, dass mehrere Briefchen, welche mit einem Siegel versehen waren, bei einer Schreiberin mit Bauchtisch abgegeben wurden. Phelizitas bestellte bei besagter Schreiberin ein Exemplar der Geografica für stolze 30 Dukaten.