161. Spieltag (16.08.2023)
Anhang I: Ein Haus für Helden
Am nächsten Morgen traf man sich wieder mit Jarefa. Die Frau fühlte sich in ihrer Lederrüstung und mit Kurzschwert deutlich unwohl. Die Grundstücksmauer wurde kurz besichtigt. Das Geranke musste weg, die Mauerkrone brauchte einen Überstiegschutz, so wie sie jetzt war, war sie einfach zu überklettern. Der Schlüssel öffnete das gestern geölte Schloss ohne Widerstand und die beiden Torflügel schwangen nach innen. Nun standen die Helden in dem zugewuchterten Dschungel, der einstmals ein gepflegter Garten gewesen war. Süßer Rosenduft wies auf dorniges Gesträuch. Zwischen den Rosenranken lugten die eingewachsenen Köpfe von Statuen hervor. Mit ein paar kräftigen Schnitten wurden die Köpfe freigelegt. Sie zeigten einen Widderkopf und den Kopf einer jungen Frau mit langen Haaren. Dem Alabaster hatten Satinavs Zähne jedoch deutlich zugesetzt.
Dann ging es in die Eingangshalle. Das dunkle Parkett, der Kronleuchter, die Samtbehänge der Wände und die vielen Spiegel machten gleich deutlich, dass hier kein Armer gewohnt haben kann. Jarefa machte klar, dass die Mada Basari dafür sorgte, dass der gröbste Staub entfernt wurde. Die Möbel seien abgedeckt worden. Aber für einen Bezug müsste das Anwesen ca. 1 Woche lang gereinigt werden. Isha und Dolorita waren sehr erfreut ein großes Bad mit Kupferwanne vorzufinden. Die Wände waren mit schwarzen und weißen Fliesen gekachelt. Auch Gefäße aus feinstem Unauer Prozellan waren mit alten Badesalzen und Ölen gefüllt.
Im Innenhof des Karrees befanden sich zwei verdorrte Pflanzbehälter und ein ramponierter Brunnen. Olko warf einen Stein hinein und hörte ein klautes Klacken von unten hervorschallen. Die Krone des gemauerten Brunnens war mit keilförmigen Steinen besetzt, welche Rillen und Wellensymbole zeigten. Offensichtlich fehlten ein paar Steine. Als nächstes betrat er eine Schreibstube. Die Abdeckung des Tisches und des Stuhles waren schnell entfernt. In den Schubladen befand sich altes Pergament. Auf einem war noch zu lesen, dass der Markgraf von Altoum noch eine Steuerschuld in Höhe von 1 163 Dukaten zu entrichten hatte. Sonst fand sich nichts in dem Raum.
Zwischenzeitlich hatte sich die Gruppe getrennt und erforschte das verlassene Gebäude. Räume für die Dienerschaft, Waschküche und Speiseküche mit Vorratskammer wurden besichtigt. In der Küche fand sich neben den Gerätschaften für eine Großküche noch ein hölzerner Löffel, welcher die Zeit sehr gut überstanden hatte. Dolorita schaute sich das Ding an und legte es vorsichtig beiseite. Außerdem wurde ein Tortenstück vom Brunnen aufgefunden. Es diente als Topfuntersetzer für einen Kupferkessel.
Im Erdgeschoss fand man auch noch die Wohnstatt einer noblen Dame, was eingetrocknete Schminke und ranziges Parfumöl zeigten. Die Düfte hatten sich tief in die hölzernen Möbel gefressen. In den Ecktürmchen des Gebäudes verliefen die Treppen.
Das Obergeschoss bestand u.a. aus den Gästezimmern, das Zimmer des Leibdieners und einem Harem. Dieser befand sich direkt neben dem Quartier des Herrn des Anwesens.
In der Herrenwohnung fand Olko im Schrank, neben herrschaftlicher Kleidung, ein paar hohe Schnürstiefel. Diese waren noch auf Glanz poliert und kein Stäubchen trübte die Sicht auf das feine Leder. Nachdem ein Odem Arcanum fehlschlug, zog sich der Bornländer kurzerhand die Stiefel an. Sie passten wie angegossen und gaben einen festen Halt. Nur das Laufen war etwas umständlich, da die Schuhe am Boden zu kleben schienen. Und tatsächlich konnte man damit die im wahrsten Sinn die Wände hochgehen. In einem Nebenraum, welcher mit einem hochwertigen Schloss gesichert war, befand sich eine offene Truhe. Auch diese hatte ein gutes Schloss. Offensichtlich die Schatzkammer des Gebäudes.
Dolorita verspürte eine leichten, kühlen Luftzug, als sie den Harem durchquerte. Ihr Odem funktionierte und machte eine rote Wolke sichtbar, welche in dem Zimmer umherirrte. Hier wollte die Hexe am Abend mal einen Geisterruf durchführen.
Im Obergeschoss befand sich noch ein Speisesaal mit Geschirr aus Unauer Porzellan. Die goldenen Verzierungen aus Zahyad-Runen und Heptagrammen deuteten auf die Zauberkräfte des ehemaligen Besitzers hin. Neben dem Saal befand sich noch ein Salon mit Wasserpfeifen und einen Kamelespiel aus weißem Marmor und roten Jaspis.
Nach dem Rundgang durch das Gebäude, machte man sich an die Erforschung des Brunnens im Innenhof. Olko stieg mit den Spinnenstiefeln hinunter und landete auf einem gefliesten Boden vor einer Stahltür. Herumliegende Steine zeigten, dass schon mehrfach der Wasserstand erfragt worden war. Isha stieg nun an einen Seil hinab und bemerkte, dass eine Reihe von länglichen Steinen spiralförmig in die Brunnenwand eingelassen waren. Die Stahltür wies keinen Öffnungsmechanismus auf. Nur die Stahlbänder an den Scharnieren zeigten, dass hier was zum Öffnen war. Die Tür war nahtlos in die Umgebung eingepasst und sprach von hoher Handwerkskunst. Da es hier nichts mehr zu tun gab, stiegen beide wieder nach oben.
Nun wurde eine Absprache mit Jarefa getroffen. Personal musste eingestellt werden. Dann machte man sich an die eigenen Finanzen. Einkommen, Abgaben, Unterhalt des Gebäudes. Am Morgen sollten dann die Arbeiten am Grundstück beginnen. Vor dem Verlassen der Örtlichkeit, führte Dolorita im Harem noch den Geisterruf aus. Es erschien eine Sklavin mit durchgetrenntem Hals. Der gefesselten Seele waren Borons Halle verwehrt geblieben. Sie konnte erzählen, dass ihr Herr ein Magier mit dem Namen Donation war. Nach langer Zeit, hatte seine Langlebigkeit ihn gezwungen sein Stadthaus in Zorgan aufzugeben und sich unter neuer Identität hier anzusiedeln. Er war dann vor ca. 100 Jahren gegangen und hatte seinen Harem umbringen lassen. Keine Zeugen. Der Geist wurde zum Anwesen befragt. Ein Verlassen des Grundstückes war der Sklavin infolge der magischen Armbänder nicht möglich gewesen. Aber im Haus gab es kein Abbild des Zauberers. Auch fand sich hier kein Labor oder Studierzimmer. Ob der Tod des Magiers oder des Mörders ihre Fesseln lösen konnte, wusste die Seele nicht. Welche Pein war höher? Damit endete der Tag und die Helden kamen an nächsten Morgen wieder.
Jetzt waren auch die Arbeiter da und befreiten den Garten vom Gesträuch. Insgesamt fand man sieben Statuen des Widdermanns und der jungen Frau. Levthan und Rahja. Rahja allerdings auf Knien und gefesselt. Isha und Dolo waren sich einig, die Dinger mussten weg. Außerdem wurde noch ein zweiter Brunnen (Wasserquelle des Anwesens) freigelegt. Hier lag die Figur einer schönen Frau seitlich davor. Da die Statuen als gefesselte Rahja identifiziert worden waren, konnte es sich hierbei nur um ihre Gegenspielerin Belkelel handeln. Man musste schon genau hinschauen, um die Dämonin von der Göttin zu unterscheiden. Wie beim Zantkopf an der Eingangstür. Auch diese Dinger mussten Verschwinden. Auf der Rückseite des Hauses wurden die Stallungen freigelegt. Die Holzabtrennungen für die zwölf Pferdeboxen mussten erneuter werden. Der gemauerte Teil diente dem Stalljungen als Behausung und eine brüchige Leiter führte auf den Dachboden. Oklo gelang der Aufstieg, ohne die Leiter zum Zusammenbruch zu bringen. Als er oben mit der Heugabel im alten Stroh herumstocherte, fand er ein weiteres Tortenstück für den Brunnen.
Die Helden beaufsichtigten die Reinigungsarbeiten. Dolorita ging am Schreibzimmer vorbei. Die Schubladen waren herausgezogen worden. Die Arbeiter wollten das alte Pergament entsorgen. Dies verhinderte die Hexe jedoch. Außerdem bemerkte sie, dass die Schubladen eine unterschiedliche Länge aufwiesen. Eine Nachschau im Schreibtisch ergab, dass dort ein weiteres Totenstück hinter dem Freiraum der kurzen Schubladen versteckt worden war. Kurz darauf drang ein lautes Klirren und Fluchen aus dem nebenliegendem Bad. Die Putzfrau hatte sich gegen eine schwarze Fliese abgestützt und das Ding hatte nachgegeben. Die Fliese hatte eine querverlaufende Achse, sie hatte sich um sich selbst gedreht und den Öltopf aus dem dahinter befindlichen Fach ins Freie geschleudert. Das Porzellan hatte den Bodenaufprall nicht überstanden. Nun wurden die Fliesen genauer untersucht. Dabei fand man in einem Fach am Fuße der Kupferwanne ein weiteres Tortenstück.