Nun
blieben noch Thiomar, der Leibdiener des Herrn und der Gutsverwalter
Arve Leinfahrer übrig.
Zur
Mittagszeit näherten sich die Helden dem Gestüt, welches sich eine
halbe Stunde Fußmarsch weit neben der Küstenstraße im Süden
befand. Nach einer Strecke zwischen den Weiden links und rechts der
Straße, bog ein ausgefahrener Karrenweg ins Landesinnere ab. Das
Wohn- und Verwaltungsgebäude war ein quadratischer Bau mit Innenhof.
Einstöckig, mit Fenster für jeden Raum auf der Außenseite. Im
Innenhof erstreckte sich auf Kniehöhe ein hölzerner Gehweg entlang
der Gebäudemauer. Es waren die Türen zu den Räumlichkeiten zu
sehen. Die Stallungen befanden sich in einem gesonderten Gebäude.
Personal eilte zwischen Katzen und Hühnern durch den Innenhof. Ein
gesetzter Mann mit Hund gab ruhig Anweisungen, welche Arbeiten durch
wen auszuführen waren. Als die Helden im Zugangsbereich erschienen,
ging er ihnen entgegen. Sein Hund, ein aranischer Straßenmischling,
folgte ihm immer. Er stellte sich als Thiomar Belgor vor, Vorarbeiter
des Gestüts. Auf die Ebersen angesprochen gab er stolz bekannt, dass
er gerne der Herrschaft gedient habe. Völlig überraschend habe Hr.
Ebersen das Gestüt in seiner Großzügigkeit dem Gutsverwalter
überschrieben und er habe hier eine neue Anstellung gefunden, was in
seinem Alter anderswo schwierig gewesen wäre. An die Abreise konnte
er sich noch gut erinnern. Yullabeth hatte die Türe zur Kutsche
aufgehalten. Er sei zusammen mit Damara im ersten Stock gewesen und
habe die Szene beobachtet. Die Herrschaften hätten sich ungewöhnlich
dicke Kleidung herrichten lassen. Auch über die Liebschaft zwischen
Rosalinde und Ashina wusste er Bescheid. Es blieb ihm allerdings ein
Rätsel, was Rosalinde dazu gebracht hatte ihre silberne Haarnadel an
Ashina zu verschenken. Rosalinde hatte es jedem im Haus erzählt, um
nicht den Verdacht aufkommen zu lassen, dass Ashina eine Diebin sei.
Gerüchte gab es zu genügend. Angeblich sei das Haus verflucht
gewesen. Immer wieder wurde von Schattengestalten im Garten und auf
den Dächern berichtet. Aber er selbst hatte nie einen Geist gesehen.
Von der Belegschaft hatte er kurz vor der Abreise noch ein Bild
gemalt. Das sei jetzt seine Passion. Er bot den Helden
Landschaftsbilder zum Kauf an. Daran bestand jedoch kein Interesse.
Aber die Helden konnten das Gruppenbild betrachten. Nun hatten sie
auch ein Gesicht zu Ashina, die bislang nirgends aufzufinden war.
Der
Vorarbeiter führte auf Wunsch der Helden eine Begegnung mit den
Gutsverwalter herbei. Sein Arbeitszimmer befand sich in der
Nordostecke des Verwaltungsbaus. Als die Helden durch die Tür
traten, standen sie direkt vor dem Schreibtisch von Arve Leinfahrer.
Dieser blieb sehr gelassen und sah ein, dass man eine Untersuchung
von Seiten der Praios-Kirche durchführen musste. Lebende Leichen
fand man ja nicht jeden Tag im Keller herumlaufen. Er weis auf die
Sitzgruppe an der östlichen Wand und bewirtete die Gruppe mit Tee,
Wein, Gebäck und Früchten. Bei der eigentlichen Abreise der Ebersen
war er nicht anwesend gewesen. Somit konnte er hierzu keine Angaben
machen. Hr. Ebersen hatte vor der Abreise ihm die Dokumente, sowohl
die Vollmacht das Anwesen in der Stadt zu verkaufen, als auch die
Überschreibung des Gutshofs, ausgehändigt. Nach dem Geschäft hatte
er das Geld dem Kurierdienst der Mada Basari übergeben. Es wurde ein
Wechsel ausgestellt, der es erlaubte die gleiche Summe von der
Stoerrebrandt-Bank abzuholen. Der Wechsel sei per Kurier in eine
kleine Stadt südlich von Gareth geliefert worden. [Menschenkenntnis
+] Die Helden spürten, dass etwas an der Aussage faul war. Also
begann man sich etwas im Zimmer umzusehen. Dabei bemerkte Thorn die
Metalltür unter dem Sofa. Ein Zwerg erkennt einen Tresor, wenn er
vor einem steht. Arve blieb bei seiner Geschichte. Also fragte man
ihn, ob man sich mal auf dem Gestüt umsehen dürfe. Arve hatte damit
keine Probleme, schloss aber seine privaten Räumlichkeiten aus. Er
rief Thiomar, der die Helden herumführen sollte.
Thiomar
zeigte den Helden das Anwesen. Im Marstall fand sich keine passende
schwarze Kutsche, oder ein baugleiches Gefährt mit neuer Tür und
Farbe. Auf dem Hof wurden schwerpunktmäßig Pferde gezüchtet,
aufgezogen und anschließend verkauft. Deshalb gab es eine Vielzahl
von Weiden. Es fanden sich aber auch andere Nutztiere im
Portefeuille.
Der Weg führte auch auf die andere, der See zugewandten,
Straßenseite. Thiomar erzählte, dass er hier immer an die
Steilküste gehe, um zu Malen. Erneut bot er seine Landschaftsbilder
zum Kauf an. Nach einer Reihe von Weiden, wurde die Fauna
ungepflegter. Kein Nutzland, langes Gras, Kletten. Der Bewuchs nahm
immer mehr ab, da das Salzwasser, welches der Wind, nach dem
Aufschlag gegen die Klippen, über die Kante wehte, den Boden
vergiftete. Am Klippenrand sah man ca. 50 Schritt in die Tiefe. Und
man hatte einen glänzenden Blick auf das Meer. Linkerhand sah man
Mendlicum mit seinen Hafeneinfahrten. Thiomar berichtete, dass man
hier vorsichtig mit dem Herumwandern sein musste. Steile Risse zogen
sich von der Kante ins Landesinnere. Eng und tief. Wer da
hineinfiel, konnte zu Tode stürzen. Den Helden war klar, dass man
hier problemlos eine Kutsche verschwinden lassen konnte. Eine
langwierige Suche nach dem Gefährt hielten sie nicht für geboten.
Spuren im Gras brauchte man, nach den lange Zeitspanne, zwischen
Abreise und heute, nicht mehr erwarten.
Was
war im Tresor? Man hatte einige Beweise ausgegraben. Aber reichte das
zur Festnahme? Wie konnte man Arve etwas kooperativer machen? Imion
schlug vor, sich mit dem Mann anzufreunden. Auf magische Art.
BANNBALADIN. Vielleicht würde der Gutsverwalter redseliger, wenn er
einem Freund gegenüberstand. Also ging es zurück zu den
Räumlichkeiten des Gutsverwalters.
[Spieltechnik:
Der Zauber verändert die Grundeinstellung einer Person in Bezug auf
den Zauberer. Arves Einstellung entsprach Stufe 4 (von 9). Er hatte
eine gewisse Abneigung gegen Wesen, die in seinen Sachen
herumschnüffelten. Imion legte seine Zauberprobe ab (welche er durch
einen Schicksalspunkt wiederholte). Dann verstärkte er die
Zauberwirkung durch einen weiteren Schicksalspunkt um 1
Qualitätsstufe. Damit brachte er Arve auf Stufe 7. Der empfand nun
Vertrauen und Freundschaft zum Elfen.]
Imion
erzählte, dass er im Wald noch nie einen Stahlschrank im Boden
gesehen habe. Dort grub man ein Loch und ließ die Wurzeln einen
Deckel formen. Arve zog sich einen Lederhandschuh an und ging zu
einer präparierten Speikobra, welche auf dem Schrank stand. Zwischen
den Giftzähnen holte er einen Schlüssel aus dem Maul der Schlange.
Zusammen mit Sigrun wurde das Sofa auf die Seite geräumt und der
Tresor geöffnet. Arve übergab die Überschreibung, den Kaufvertrag
und die Vollmacht Thorn. Darunter kam eine große Ledertasche, fast
ein Sack zum Vorschein. Der Rand des kreisrunden Leders war mit
mehreren Löchern versehen. Dadurch fädelte man eine Kordel und
erhielt beim Zusammenziehen der Kordel ein stabiles
Transportbehältnis. In klein hatte man so was am Gürtel hängen und
musste sich vor Beutelschneider in Acht nehmen. Aber die Form eines
Behälters sagte nur bedingt etwas über seinen Inhalt aus.
Sonea
und Phelizitas schauten sich mal im Büro um. Auf dem Schreibtisch
lag die aktuelle Bestandsliste des Tierbestands. Mit dem Datum des
Einkaufs, bzw. Verkaufs versehen. Und was fand man am Tag der Abreise
der Ebersens? Den Zugang von zwei Nutzpferden. Keine Fohlen, sondern
ausgewachsene, trainierte Pferde. So ein Zufall !!! Während Arve dem
Elfen die Vorzüge eines Stahlschrankes im Vergleich zu
Wurzelgeflecht beibrachte, schaute sich Thorn die drei Schriftstücke
genauer an. [Malen/Zeichnen +; Schriftgutfälschung fällt unter
dieses Talent] Die Handschrift war auf allen dreien die gleiche. Wie
konnte das sein? Die Ebersen, welche Vollmacht und Überschreibung
ausgefertigt haben, konnten wohl nicht einen Kaufvertrag aufsetzen.
Denn da waren die Ebersen bereits abgereist. Und das Schriftbild
glich dem im Tierverzeichnis. Thorn mischte sich mit diesen
Ungereimtheiten in die elfische Unterhaltung ein. Sigrun versuchte
den Sack aus dem Tresor zu heben. Aber 2 000 Dukaten wiegen gute 50
Stein und sie musste [Kraftakt +] schwer ziehen, aber das Klimpern,
als der Sack auf den Boden prallte war eindeutig. Jetzt war es Arve
genug und er verwies die Helden lautstark vom Hof. Der Zauber war
verflogen. Mit lautem Gezeter rang er mit Thorn um die Dokumente,
welche der Zwerg nicht mehr aus der Hand geben wollten. Die Tür ging
auf und Vorarbeiter mit Hund erschienen auf dem äußeren Laufsteg.
[Überzeugenprobe +] Thiomir wurde von der Beweislast erschlagen.
Nach Einsichtnahme in die Dokumente konnte er bestätigen, dass
Vollmacht und Überschreibung nicht in der Handschrift von Herrn
Ebersen verfasst waren. Die kannte er als Bote für Briefe seiner
Herrschaft gut genug. Er ließ seinen Hund abliegen und sah der
Festnahme teilnahmslos zu.
Arve
wurde vor den Praios-Geweihten Simold Rebenlieb gezerrt. Mit den
vorgelegten Beweisen blieb dem Gutsverwalter nichts anderes übrig
als zu gestehen. Um einer Folter zu widerstehen, hatte er nicht die
Kraft. Er war an der Scharade beteiligt gewesen. Ashina und Ronwulf
hatten die Kleidung der Herrschaft getragen. Mit dem Mord hatte er
nichts zu tun. Er hatte nur die Gelegenheit für eine Betrügerei
genutzt. Rashdan und Ashima hatten sich um die Ebersen gekümmert.
Rashdan war in seiner Taverene „Zum Schädelknochen“ zu finden.
Wo Ashina war, wusste der Gutsverwalter nicht. Die Mondsilberwesira
und der Praios-Geweihte waren sich einig und Arve wurde der
Stadtobrigkeit übergeben. Thiomir erhielt den Auftrag, gegen eine
handvoll Dukaten aus dem Münzsack als Entschädigung, das Gestüt
weiter zu betreiben.
Am
05.05.2026 wird die Hafenkneipe erneut eine Schauplatz sein.