267. Spieltag (17.02.2026)
Die Nacht verbrachte man unter den ausladenden Tannenzweigen. Das Rumpeln des Vulkans mit den Lavakugeln, die ihre Flammenspur in die Bergflanke zeichneten, war ein ständiger nächtlicher Begleiter. An Schlaf war nicht zu denken. Und irgendwo musste der Drache auch noch umherfliegen. Mit der ersten Morgendämmerung verließen die Helden den Ort und machten sich auf den Weg nach Hohenwacht.
====Beginn Niobaras Vermächtnis: Schlunder Handwerkskunst====
[Der Ort Hohenwacht ist über das Programm Avespfade nicht zu finden] Im Licht der untergehenden Sonne erreichte die Gruppe das kleine Dorf. Im Gegenlicht hoben sich die Umrisse der Burg auf der Felsnadel deutlich vom rötlichen Himmel ab. Der „Marktplatz“ war verlassen. Ein Brunnen stand herum und wartete auf den Durstigen. Sonea holte sich mit einem Eimer frisches Wasser aus der Tiefe. Während des Trinkens erklang das vertraute Klingen eines Meisels, der auf Stein traf. Angrenzend an den Platz befand sich noch das Gasthaus „Birnbaum“. Kerzenschein erleuchtete die Fenster.
Die Neugierde trieb die Gruppe zu der Werkstatt des Steinhauers. Der Name des Besitzers war in Kusliker Zeichen und Rogolan zu lesen: Sandsteiner. Auf Ansprache drehte sich der zwergische Handwerker in der Werkstatt um. Er begrüßte die Neuankömmlinge. Steinstaub hatte sein bärtiges Gesicht mit einer weißen Maske überzogen. Das Abwischen der staubigen Hände, vor dem Handschlag, an der staubigen Schürze, hatte wohl nur symbolischen Charakter. Der Zeitpunkt für das Arbeitsende war gekommen. In einer Staubwolke wurde die Schürze ausgeschüttelt, dann ging es zum Brunnen, wo der Zwerg das restliche Wasser im Eimer für eine Katzenwäsche nutzte. Er führte die Helden in die Gaststätte, wo er den Wirt damit beauftragte Essen und Getränke für die Gruppe herbeizubringen. In der kleinen Gaststätte war nicht viel los. Die Gruppe nahm die Hälfte der Örtlichkeit in Beschlag. Der Wirt gab an, dass er keine Übernachtungsmöglichkeiten habe. Die Helden müssten in der Nachbarschaft unterkommen, was eigentlich keine Schwierigkeiten bereiten sollte. Es gab eine deftige Pilzpfanne mit reichlich Zwergenbier und Birnenschnaps. Die Helden unterhielten sich über die Erkenntnisse aus Wagenhalt und die Geschehnisse am Schlund. Der Steinmetz hörte mit wachen Ohren und Augen zu. Er hatte großes Interesse an jeder Neuigkeit, welche in das 200 Seelen Dorf gespült wurde. Beim Stichwort Wagenhalt gab er an, dass sein Großvater da auch mal tätig gewesen war. Philizitas zeigte ihm das abgezeichnete Wappen aus dem Kellerraum der Rohal-Akademie. Farmalosch, so der Name des Zwerges, erkannte das Wappen wieder. Es war eine alte Form des Wappens der Familie Treuzoll. Die Familie, Junker, Ehefrau und Tochter, lebten auf der Burg oben auf der Felsnadel. Einen Privatlehrer hatten sie auch noch. Auch die Burg hatte eine Kuppel zur Sternbeobachtung. Zwischenzeitlich wurde die Unterhaltung neben dem Alkohol durch den Rauch der Tabakpfeifen vernebelt. Die Magierin schrieb noch ein Besuchsgesuch an die Wache der Burg. Man konnte die Burg mit einem Aufzug erreichen, oder man machte sich zu Fuß auf den spiralförmigen Weg die Bergflanke hinauf.
Man wurde auf die umliegenden Häuser verteilt und traf sich zum handfesten Frühstück im Gasthaus. Dann ging es zum Aufzug. Die Wache grüßte freundlich und überreichte ein Antwortschreiben von Aldorin aus Punin. Dort wurde darauf verwiesen, dass der Gelehrte noch nichts von einen Niobara gehörte hatte. Er wisse nur von einer Bianora aus Zorgan. Ein Anagramm? Jedenfalls ging es mit dem Aufzug in schwindelnde Höhe. Das Geschaukel und die Höhe ließen in Sonea Schwindel aufsteigen. Oben angekommen, wurden die Besucher durch einen Gelehrten und eine 50-Jährige Frau erwartet. Die Ansprache der Frau machte deutlich, dass es sich hierbei und die Burgherrin handelte. Sie begrüßte Selhira und Sonea freundlich. Die Leibwächter, also der Rest der Gruppe, wurden erstmal ignoriert. Erst nach Klarstellung, dass es sich bei dem Elfen, dem Zwerg, der Thorwalerin und der Magierin nicht um Mietlinge handelte, brachte Veränderung in das Verhalten. Die Helden wurden zu einem gemeinsamen Mahl im Speiseraum eingeladen. Aber zuerst sollten sie ihre Geschäfte mit Aldorin zu Ende bringen.
Aldorin führte die Gruppe in die Turmkuppel. Hier ähnelte die Bauweise der Kuppeldecke aus Wagenhalt. Die Himmelsdarstellung zeigte die Sternbilder des Helden und des Drachen. Alle Wandelsterne hatten sich zu einer Reihe vereinigt, welche einen Speer in Richtung Drachenhals darstellte. Umlaufend am Rand des Deckenbildes waren folgende Worte eingelassen:
Wenn der rotglühende Schicksalsort
Nostrias al´anfanische Worte enthüllt,
soll die aufgehende Saat
euch den Himmel schauen lassen
EFF/2+7/XII-IX
Wie war das zu bewerten? Aldorin verwies auf die Aufzeichnungen des Thamos Nostriacus, welcher vor ca. 500 Götterläufen die Rückkehr Borbarads vorhergesehen hatte. „Dann wird die rote Saat der Gor aufgehen“ waren seine Worte. Niobara kam aus Anchopal. Nicht weit von der Gor entfernt. Der rote Tafelberg mit seinen ewigen Sandstürmen war eine bekannte Landmarke. Die Zahlenreihe erinnerte Phelzitas an ein Archivregister oder eine Buchrückenbezeichnung in einer Bibliothek.
Auf Bianora angesprochen, wies der Gelehrte auf die Inschrift, welche die zentrale Steinsäule der Wendeltreppe schmückte. Die Treppe führte auf die Spitze des Turmes. Dort stand geschrieben:
Ihr, die Weisheit / sucht, verzagt / nicht und scheitet fort, / dann werdet ihr / sie erhalten, / in Mahna-Dscharot im / Schlangetal / Bianora von Zorgan
Das Mahna-Dscharot war die Abkürzung für das Al´Mhana-Dscharot al´Chaima´ashtranim. Aus dem Tulamidischen übersetzt: altehrwürdiges Zentrum des Sternenzelts. Damit hatte man nun den Namen für Niobaras Sternenakademie gefunden. Das würde die Suche nach dem MDCA erheblich erleichtert. Einen konkreten Anlaufort hatte man noch nicht. Zumindest führte die Spur nach Zorgan. Die Stadt war im Kuppelgemälde in Wagenhalt zu sehen gewesen. Nun tauchte noch eine Gelehrte aus der Stadt auf. Niobara hatte eine Anzahl Frauen um sich versammelt, die sich alle als Schwestern anredeten. Der Erkenntnisse waren nun genug gewonnen, nun verlangte die den Geist tragende Kohlenstoffeinheit ihr Recht auf Brennstoffzufuhr.
Die Burgherrin hatte ordentlich aufgetischt. Ein gebratener Fasan war halt was anderes als eine ordinäre Pilzpfanne mit Wildbret. Man unterhielt sich über die Dinge der Welt. Die Frau war an den Beweggründen der Helden für ihre Aventurienreise interessiert. Warum verließ ein Waldelf seinen Stamm? Eine Thorwalerin im Mittelreich? Eine al´anfanische Magierin der schwarzen Zunft im, für sie, hohen Norden? Boron- und Ingerimmgeweihte zusammen auf Reisen? In Begleitung eines zwergischen Handwerkes? Die Erforschung des Sternenfalls, ein interessantes Gebiet. Ein Meteor, welcher einen Drachen in die Wand des Schlunds hämmerte. Sie hatte sich schon gefragt, warum der Berg auf einmal ausgebrochen war. Die Zeit verging. Dann ging es mit dem Aufzug wieder nach unten. Eine Übernachtung in der Burg war leider nicht möglich gewesen. Am morgigen Tag wollte man sich auf die Reise um die nördlichen Ausläufer des Raschtulswalls herum, nach Zorgan machen.
Die nächste Sitzung findet am 24.02.2026 statt.